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Waldbrände in Wildnisgebieten

Ausmaß und Auswirkungen von Waldbränden auf den Flächen der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg

In Wildnisgebieten führen verschiedenste Faktoren zu einer höheren Dynamik als in den von Menschen geprägten Kulturlandschaften. Neben Stürmen und großen Pflanzenfressern ist das Feuer dort ein Schlüsselfaktor.

Weltweit sind Waldbrände ein natürlicher Bestandteil vieler, aber nicht aller Waldökosysteme. In Deutschland sind Feuer zwar nicht, wie im westlichen Nordamerika, für die Samenreife wichtiger Baumarten notwendig, jedoch schaffen sie beispielsweise nach Blitzschlägen immer wieder Offenflächen, in denen sich lichtliebende Pflanzengesellschaften einstellen können. In Verbindung mit großen Pflanzenfressern wie dem Rotwild entsteht dann zumindest für einige Zeit ein Mosaik aus offenen und bewaldeten Lebensräumen. Abhängig von der Häufigkeit der Brände bleiben diese länger erhalten oder es entsteht erneut ein geschlossener Wald.

Trockenes Land

In Brandenburg brennt es schon auf Grund der geringen jährlichen Niederschläge und den vielfach armen Sandböden im bundesweiten Vergleich häufiger. Außerdem sind die vorherrschenden Kiefernwälder wesentlich leichter brennbar als Laubwald. Auf Grund der wirtschaftlichen Bedeutung des Holzes werden Waldbrände normalerweise aber möglichst sofort gelöscht. So war die durchschnittliche Waldbrandfläche in Brandenburg 2017 gemäß der Waldbrandstatistik des Landes nur 0,25 Hektar groß. Nur auf großräumigen Wildnisgebieten, wo jegliche Nutzung eingestellt wurde, bietet sich die Möglichkeit, dem Feuer Raum zu geben und abwechslungsreiche Mosaiklandschaften entstehen zu lassen.
Exemplarisch lässt sich dies auf den Wildnisflächen der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg (SNLB) beobachten. Die Stiftung besitzt rund 13.600 Hektar Wildnisentwicklungsflächen, die beiden größten sind die Flächen „Jüterbog“ mit rund 7.200 Hektar und „Lieberose“ mit 3.150 Hektar. Auf beiden Flächen gab es in den vergangenen Jahren große Waldbrände, die 150 bis 250 Hektar umfassten.
Der größte dieser Waldbrände ereignete sich auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose, etwa 90 Kilometer südöstlich von Berlin. Dort herrscht aufgrund der geringen Jahresniederschlagsmenge von ca. 480 Millimeter, der nadelholzdominierten Vegetation (90 Prozent Waldkiefer) sowie der Munitionsbelastung die höchste Waldbrandgefahrenklasse Deutschlands (A1). Ende Mai 2017 begann der Wald dort aus unbekannter Ursache zu brennen. Aufgrund wochenlanger Trockenheit breitete sich das Feuer schnell in der Kiefern-Birken-Heidelandschaft aus. Es entfachte die Wurzelstöcke und Stammteile, setzte aber vielfach nicht den gesamten Baumbestand in Flammen. Daher ist dort von einem Bodenbrand zu sprechen – die meisten Baumwipfel blieben verschont. Auf Grund drehender Winde blieben auch ganze Waldinseln unberührt. Andere Bereiche brannten wiederum komplett ab. Die starke Thermik von Brandflächen bietet Brandfolgern ideale Voraussetzung, sich zu etablieren, beispielsweise dem Schwarzen Kiefernprachtkäfer, dessen Larven sich nur im Bast feuergeschädigter Kiefern entwickeln können.

Neues Leben

Schon einige Tage nach dem Erlöschen des Feuers erwachte die Fläche zu neuem Leben. Neben Eidechsen und Blindschleichen, ersten Spinnen und Käfern wurden Trittsiegel verschiedener Wildarten und sogar des Wolfes gefunden. Wenige Wochen nach dem Brand begann – begünstigt durch Regenfälle – die Regeneration der Besenheide, Birken und vieler Gräser. Gerade die flächendeckend verbrannte Heide profitiert von der ungeplanten, großflächigen Verjüngungsmaßnahme.
Bereits ein bis zwei Monaten nach dem Brand trieben die Kronen von Birken zumindest in Teilen wieder aus, während die verkohlte Rinde an den Baumstümpfen abblätterte. Ein Jahr später sehen Teile der Brandfläche so aus, als hätte es dort erst vor kurzem gebrannt. Große offene Flächen wechseln sich mit Pionierflächen, bewachsen von Heide, Farn, und Landreitgras, ab. Die Naturverjüngung von Kiefer und Birke ist flächendeckend zu beobachten. Die Schwächung großer Bäume durch Feuer ist zudem eine ideale Voraussetzung für ihre Besiedelung durch Baumpilze.
Auf der Fläche „Jüterbog“ hat sich drei bis vier Jahre nach dem Brand die vormals geschlossene Waldfläche zu einem lückigen Birkenvorwald entwickelt. Flächendeckend hat sich dort der Ziegenmelker neu angesiedelt. 
Brandflächen sind Startpunkte für neues Leben. Zumindest zeitweise werden sie zu Lebensräumen für Arten, die durch die fortschreitende Sukzession in unseren Wäldern und Landschaften immer stärker verdrängt werden. Die Wälder, die sich durch Naturverjüngung auf den Brandflächen wieder etablieren, sind totholzreich und besonders stark strukturiert.

Die Besichtigung der Brandflächen in Jüterbog und Lieberose ist aufgrund der Lage im Totalreservat sowie der Kampfmittelbelastung nur im Rahmen von angebotenen Führungen möglich. Informationen hierzu finden Sie unter www.stiftung-nlb.de.

Dr. Andreas Meißner, Jenny Eisenschmidt
Stiftung Naturlandschaften Brandenburg

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