Hintergrundelement

Rezensionen

Stekeldötje ist Fisch des Jahres

Die Wahl des Dreistachligen Stichlings (Gasterosteus aculeatus) zum Fisch des Jahres verwundert zunächst, ist der Anpassungsfähige weder wirtschaftlich bedeutend noch in seinem Bestand bedroht. Gegessen wurde er nur in Notzeiten und nirgends als kulinarische Offenbarung gepriesen. Mehrmalige Bruten im Jahr und das von Verhaltensforschern so bewunderte Brutpflegeverhalten der Männchen kann zu einem massenhaften Auftreten des Fisches, verbunden mit wirtschaftlichen Schäden, führen. So steht der Stichling im Bodensee unter Verdacht für den Rückgang der Brotfischarten Felchen und Barsch verantwortlich zu sein. Die knapp 60seitige Broschüre vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV), in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) erstellt, verschweigt dem Leser diesen Stichling nicht, erwähnt sogar die mögliche Notwendigkeit regionaler Bestandskontrollen. Dass der Stichling nach Flunder, Hecht und Huchen dennoch nicht zu Unrecht gekürt wurde und die Wahl vielleicht sogar ein Umdenken der allgemeinen Betrachtung und Wertschätzung von Arten markiert, wird beim Lesen der sechs eigenständigen Kapitel deutlich. Zum einen stellt der Dreistachlige Stichling, vor allem in küstennahen Gewässern, gerade durch sein periodisch häufiges Auftreten, eine begehrte Nahrungsgrundlage für andere Tiere dar. Bei Parasiten und Parasitologen ist er gleichsam beliebt. Pflege, Zucht und Infektion gelingen leicht und machen den Stichling zu einem gefragten Modellorganismus, der jährlich zu zahlreichen Publikationen beiträgt. Mit seinem Wirt verbreitet sich auch der wirtswechselnde Bandwurm Schistocephalus solidus in natürlichen Stichlingsbeständen, was die Dynamik in ökologischen Systemen veranschaulicht und die Felchen-Fischer des Bodensees hoffen lässt.
Der Stichling ist auch ein bedeutender Wirt für die Larven der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Bachmuschel Unio crassus, die einige Wochen in seinen Kiemen leben, bevor sie sich in Jungmuscheln verwandeln. Die Attraktivität und Vielgestaltigkeit des kleinen Fisches wird durch zahlreiche Abbildungen und Fotos visuell erlebbar, auch werden die verschiedenen Klassifizierungsmöglichkeiten vorgestellt. Neben der traditionellen Benennung dreier Formen nach Anzahl der Knochenplatten an den Körperseiten, unterscheidet die jüngere nur in zwei Arten. Welche Zuordnung bei fischfaunistischen Kartierungen auch gewählt wird: Nach Empfehlung der Autoren sollten unbedingt alle morphologischen Besonderheiten erfasst werden, da diese die Unterscheidung zwischen wandernden und stationären Formen ermöglichen. Einige der aus dem Meer zum Laichen in die Binnengewässer aufsteigenden Populationen sind nämlich durchaus gefährdet, da sie hohe Ansprüche an die Durchgängigkeit der Gewässer stellen. Das Trockenfallen von Laichgewässern in Auen durch die Regulierung großer Fließgewässer wird als weitere Gefährdung lokaler Populationen angegeben. Der Stichling im Aquarium muss ein besonderes Erlebnis sein, glaubt man dem Mitautoren Manfred Rank, dem mit historischen Bezügen und teils poetischen Zitaten ein besonders schönes Artportrait gelungen ist.

Sarah Mantzke


Fisch des Jahres 2018 – Der Dreistachlige Stichling
64 Seiten
ISBN 978-3-9818775-0-2
Preis: 6,90 Euro zzgl. Porto und Verpackung
Zu beziehen per Fax, E-Mail oder Internet bei:
Deutscher Angelfischerverband e.V.
Siemensstraße 11-13
63071 Offenbach
Telefon 069 85706965
Fax 069 873770
E-Mail: info@dafvshop.de
www.dafvshop.de



Riesige Eichen

Kaum ein anderer Laubbaum Deutschlands erreicht hinsichtlich Höhe und Stammumfang solche Dimensionen wie unsere heimischen Eichen. Diese „Baumpersönlichkeiten“ sind fester Bestandteil unserer Kultur, wie kaum einer anderen Arte wird ihnen Respekt und Achtung gezollt. Trotzdem sind sie rar geworden, treten uns meist nur noch als Einzelexemplare entgegen. Der Autor hat die 150 ihn am stärksten beeindruckenden Eichen Deutschlands aufgesucht und fotografiert. Und er erzählt ihre Geschichten. Auch Brandenburg wird bei seiner Reise durch Deutschland bedacht. Insgesamt sind 15 Exemplare „in die Wertung gekommen“. Man kann sie dank der mitgeteilten GPS-Daten gut finden. So ist das Buch nicht nur eine Referenz an diese wunderbaren Bäume, es ist auch ein Wanderführer. Und es ist eine schöne Anregung, nach weiteren alten Eichen zu suchen. In einer ganzen Reihe von Regionen Brandenburgs gibt es bereits Verzeichnisse dieser auch als Naturdenkmal geschützten Einzelbäume. Vielleicht ist das Buch eine Anregung, diese Verzeichnisse aus den Schubladen der Verwaltungen herauszuholen und als regionale „Eichenführer“ zu aktualisieren und aufzulegen. In unseren Großschutzgebieten könnte man so etwas gut gebrauchen.

Roland Lehmann

 

Riesige Eichen – Baumpersönlichkeiten und ihre Geschichten
Jeroen Pater
27,5 x 33,8 cm
320 Seiten
Franckh Kosmos Verlag, 2017
ISBN 978-3440151570
Preis: 50,00 Euro

Leserkommentare Kommentar Icon (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreiben Sie hier Ihr Kommentar zu dem Beitrag:

Hinweis:
Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet. Alle Felder sind Pflichtfelder.
 

naturmagazin abonnieren

Immer informiert

Pfeil blue

Ihnen gefällt das neue naturmagazin und Sie möchten es regelmäßg lesen?

Im online-Buchladen von Natur+Text können Sie es einzeln oder als Abo bestellen

Vorschau

Ausgabe 4/2018

Pfeil olive

Das Thema "Verkehr" steht im Mittelpunkt der nächsten Ausgabe! Ab 1. November 2018 in Ihrem naturmagazin.

Kalender

Aktuelle Veranstaltungen

Pfeil orange

Herausgeber

NABU Brandenburg, Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e.V., Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg, Natur+Text GmbH

Pfeil olive

mehr lesen?

Pfeil blue

Sie interessieren sich für weitere Publikationen aus unserem Verlag?

Dann stöbern sie doch in unserem Online-Buchladen