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Out of the box

Niederlausitzer Auerhuhnprojekt verläuft erfolgreich ¬schwedische Wild-fänge verstärken die Population

Als Hochwild wurden Auerhühner einst vom Adel bejagt. Viel bedrohlicher gestaltete sich für die Art aber die intensive Forstwirtschaft der jüngeren Vergangenheit. Denn der Gier nach schnellem Holz waren viele der natürlichen Auerhuhn-Lebensräume – alte, stö-rungsarme, lichte Misch- und Nadelwälder mit reichhaltiger Bodenvegetation – zum Opfer gefallen. In Brandenburg führte dies in den 1990er Jahren schließlich zum Aussterben der Art. Mit etwas Glück lassen sich Auerhühner seit einigen Jahren aber wieder im Süden der Mark beobachten. Brandenburgs Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde stellte das dort ansässige Wiederansiedlungsprojekt am 22. Mai 20118 anlässlich des Tages der biologi-schen Vielfalt vor.

Unruhiges Scharren und Trappeln dringt aus den Kartons. Die Vögel wollen raus. Es sind die letzten drei von insgesamt 50 Tieren, die eigens hierfür in Schweden eigefan-genen wurden. Nun sollen sie das Waldgebiet Weißhaus im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft besiedeln und dort für Nachkommen sorgen.
Carolin Schilde und Naturparkleiter Lars Thielemann wollen die drei Auerhennen nicht länger warten lassen. Kaum, dass die Kartons geöffnet sind, verschwinden die Vögel zwischen den Bäumen. „Projekte wie diese sind beispielgebend. Hier arbeiten Natur-schutz- und Forstbehörden erfolgreich zusammen, ebenso wie Wissenschaftler und zahlreiche Ehrenamtliche“, so die Staatssekretärin.
Tatsächlich hat das Projekt seit der ersten Auswilderung schwedischer Auerhühner im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft vor sechs Jahren (das naturmagazin berich-tete seinerzeit vom Beginn der Pilotphase) einen guten Verlauf genommen. Vor drei Jahren wurde die anfängliche Pilotphase erfolgreich abgeschlossen. Seitdem geht es um die tatsächliche Wiederansiedlung der Art. Diese soll vor allem durch Freisetzung zu-vor in Schweden gefangener Wildvögel erfolgen.
Seit 2013 brüten Auerhühner nun wieder erfolgreich in Brandenburg. Genetische Nachweise belegen, dass die einstmals ausgewilderten Tiere mittlerweile mindestens 66 Nachkommen hervorgebracht haben – mit steigender Tendenz. Für den Sommer 2017 haben die Experten um Projektkoordinator Dr. Alexander Zimmermann den Ge-samtbestand der Niederlausitzer Auerhühner anhand von Genanalysen und Sichtungen auf etwa hundert Tiere bestimmt. Zwei Drittel der Gesamtpopulation wären somit be-reits echte Brandenburger, teilweise schon in der Enkelgeneration. „Aufgefrischt“ wird diese Population jedes Jahr durch bis zu 60 „Schweden“. So viele Vögel dürfen jedes Jahr in dem skandinavischen Land gefangen werden. Bis sich in der Lausitz eine sich selbst erhaltene Population entwickelt hat, wird diese Zuführung wohl erforderlich sein.
Sinn macht das Ganze allerdings nur, wenn die Qualität des Lebensraumes stimmt. Für Lars Thielemann könnte das Auerhuhn auch Blaubeerhuhn heißen, denn ohne eine beerenkrautreiche Bodenvegetation in lichten, mehrschichtigen Altbeständen aus Laub- und Nadelbäumen sind die beeindruckenden Vögel nicht zu haben. Der Landes-betrieb Forst Brandenburg (LFB) hat für die beiden im Süden des Landes gelegenen Oberförstereien Doberlug und Lübben das Auerhuhn als Leitart definiert. Damit ist verbunden, dass sich das waldbauliche und jagdliche Handeln an den ökologischen An-sprüchen der Art orientiert, wovon wiederum eine Reihe weiterer Arten der Waldle-bensgemeinschaften – beispielsweise Eule, Waldschnepfe oder Schwarzstorch – profi-tieren. Mit dieser Lebensraumaufwertung findet das Wiederansiedlungsprojekt auch die Zustimmung des NABU, so Landesgeschäftsführerin Christiane Schröder. Anderen-falls müssten die Verluste an ausgewilderten Tieren sehr kritisch betrachtet werden. In der Pilotphase starben die meisten Tiere bei Kollisionen mit Hindernissen, etwa mit Wildschutzzäune, Leitungen oder dem Straßenverkehr. Soweit möglich, sind solche Gefahrenquellen inzwischen entschärft worden. Seitdem werden Beutegreifer (Präda-toren) wie Fuchs oder Waschbär für die größten Verluste verantwortlich gemacht, Wildschweine kommen als Nesträuber hinzu. Aber auch Rot-, Dam- und Rehwild kön-nen durch Verbiss der Beerenkräuter die Brut- und Aufzuchthabitate beeinträchtigen. In den Wiederansiedlungsgebieten des LFB wurde deswegen ein entsprechendes Jagd-und Prädatorenmanagement etabliert. Die Projektpartnerin des Landesbetriebs, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), verzichtet hierauf allerdings bewusst und schützt auf ihren vom Bundesforstbetrieb Lausitz betreuten Flächen auch die „Pfoten-tiere“. Die dortige Auerhuhnpopulation scheint dies allerdings nicht wesentlich zu be-einträchtigen, zumindest wurde anhand von Federproben ermittelt, dass sich dort eine der ältesten Hennen aufhält. Sie wurde im Jahr 2012 in der Liebenwerdaer Heide frei-gelassen, wo die DBU die größte Flächeneigentümerin ist.

Wolfgang Ewert


Mehr zum Projekt unter:

http://www.niederlausitzer-heidelandschaft-naturpark.de/naturpark/auerhuhn-projekt/

http://www.naturpark-nlh.de

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