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Ausgabe 3/2018

Für Mensch und Natur

Deutschlands Naturparke unterscheiden sich in ihrer Ausrichtung – vereint sind sie unter dem Dach des VDN

In Deutschland gibt es derzeit 105 Naturparke. Sie bedecken etwa 28 Prozent der Landesfläche und sind gemeinsam im Verband Deutscher Naturparke e.V (VDN) organisiert. Mit seinem Geschäftsführer, Ulrich Köster, sprach naturmagazin-Redakteur Christof Ehrentraut.

Wie ist der VDN organisiert und was bietet er den Naturparken?

Der VDN wurde 1963 in der Südeifel gegründet. Seine Mitglieder sind ausschließlich die Träger der Naturparke – auf freiwilliger Basis. Aktuell sind 103 Naturparke im VDN organisiert. Der Verband vertritt ihre Interessen und unterstützt sie in ihrer Entwicklung. Das geschieht durch fachliche Arbeit, etwa durch das Entwickeln von Projektideen oder auch durch gemeinsame Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit. Bei unserem Parlamentarischen Abend in Berlin konnten wir der Politik neulich demonstrieren, was Naturparke so alles leisten.
Sehr wichtig ist uns der Erfahrungs- und Ideenaustausch der Naturparke untereinander – vor allem, wenn es um die Qualität in den Naturparken geht. Seit 2006 gibt es die „Qualitätsoffensive Naturparke“. Die Naturparke können sich dort freiwillig einer Prüfung unterziehen. Zuerst füllen sie einen Fragebogen aus. Als zweite Stufe bereist dann einer von insgesamt 20 speziell geschulten „Qualitäts-Scouts“ den Naturpark und vergleicht seine Beobachtungen mit den Antworten des Fragebogens. Die Scouts kommen stets aus einem Naturpark eines anderen Bundeslandes. Sie kontrollieren aber nicht nur. Viel wichtiger ist, dass sie mit den Partnern vor Ort besprechen, wie sich der Naturpark weiterentwickeln könnte. Wir haben damit ein System geschaffen, in dem sich die Naturparke gegenseitig beraten und evaluieren. Diese Überprüfung findet im Abstand von fünf Jahren statt.

Haben sich die Naturparke verändert?

Als die ersten Naturparke in den 1950er Jahren eingerichtet wurden, versuchte man, den Schutz der Natur mit sozialen Erholungsfunktionen zu verbinden. Vor allem dachte man dabei an die Menschen aus den wachsenden Industrieregionen. Es sollten aber auch die schönen – wie wir heute sagen: die naturschutzfachlich wertvollen Landschaften – erhalten werden. Nach der Wiedervereinigung rückten Naturschutz und Regionalentwicklung stärker in den Fokus. Heute wird der Bereich Bildung immer wichtiger. Die Naturparke beruhen auf Paragraph 27 des Bundesnaturschutzgesetzes. Dort sind die Aufgaben der Naturparke geregelt, die in den Gesetzen der Länder dann umgesetzt werden müssen. Seit dem 1. April 2018 gehört auch die Bildung für Nachhaltigen Entwicklungen (BNE) zu diesen Aufgaben.

Wie viele Mitarbeiter sind beim VDN beschäftigt?

Aktuell haben wir zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einige davon jedoch in Teilzeit. Umgerechnet auf Vollzeitstellen entspricht das etwa acht Personalstellen. Viele dieser Stellen sind jedoch an Projekte gebunden, wir müssen sie uns also immer wieder neu erarbeiten. Ein gerade abgeschlossenes Projekt beschäftigte sich mit den rund 900 Naturparken in 22 europäischen Staaten. Prinzipiell wird dort überall ähnlich gearbeitet. Interessant ist allerdings, dass – obwohl die deutschen Naturparke bei ihrer Gründung zu den ersten gehörten – sie heute im europäischen Vergleich personell recht schlecht ausgestattet sind.

Wie unterscheiden sich die deutschen Naturparke untereinander?

Unterschiede ergeben sich schon aus der differierenden Trägerstruktur. In ihr spiegelt sich auch die Geschichte Deutschlands wider. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen liegt die Trägerschaft beim Land. In den anderen Bundesländern sind hierfür die Kommunen zuständig, in der Regel in Form von Vereinen oder Zweckverbänden.

Auch in Brandenburg wurde diese Diskussion geführt.

Ich halte das Brandenburger Modell für sehr gut. Es hat aber auch eine historische Komponente, man kann es daher nicht beliebig auf andere Bundesländer übertragen. In Brandenburg wäre es aber sehr unklug, es aufzulösen. Ein großer Vorteil dieses Modells ist, dass in den Naturparken alle zusammenarbeiten und über das Land vernetzt sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Land die Personalausstattung der Naturparke gewährleistet.

… einschließlich der Naturwacht. Wie halten es die anderen Bundesländer damit?

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ebenfalls eine Naturwacht. Bundesweit betrachtet ist die Naturwacht Brandenburg aber eine eindeutige Stärke der Naturparke Brandenburgs.

Warum sind die anderen Bundesländer in diesem Punkt so zurückhaltend?

Der Wert der Naturwacht wird auch in anderen Bundesländern erkannt. Die Entwicklungen sind dort aber andere gewesen. In Bayern gibt es die Gebietsbetreuer. Sie arbeiten ähnlich wie die Naturwacht und sind ebenfalls ein sehr gutes Instrument, allerdings nicht systematisch in allen Naturparken vertreten. Manchmal sind die Strukturen auch andere – wenn Naturschutzbeauftragte beispielsweise in den Behörden angesiedelt sind und dort einen Teil der Funktionen erfüllen, die in Brandenburg der Naturwacht obliegen.

Unterscheiden sich die Naturparke in „Ost“ und „West“?

In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern steht mit der Trägerschaft der Länder der Naturschutz im Vordergrund. In den anderen Bundesländern ist das in dieser Ausprägung nicht der Fall – auch nicht in den anderen Neuen Bundesländern. Selbst in Thüringen, wo die Naturparke ebenfalls dem Land unterstehen, ist das nicht so. Eine Unterscheidung in „Ost“ und „West“ funktioniert daher nicht. Andererseits hat das Thema Naturschutz aber auch in vielen Naturparken der Alten Bundesländer eine große Bedeutung.

Wo sehen Sie in den kommenden Jahren den größten Handlungsbedarf für die deutschen Naturparke?

Wir werden am 19. September auf der Wartburg unser 10-Punkte-Programm „Naturpark 2030“ vorstellen. Eine zentrale Forderung ist, dass Naturparke als integrative Schutzgebiete im „Aktionsplan Schutzgebiete“ verankert werden. Der Aktionsplan ist ein Bestandteil der Koalitionsvereinbarungen der Bundesregierung. Für uns geht es dabei um die offizielle Anerkennung der Naturparke als Schutzgebiete – eine Frage, die immer wieder diskutiert wird, auch im Naturschutz. Natürlich sind wir keine „harten“ Schutzgebiete wie beispielsweise Nationalparke. Wir sind aber überzeugt, dass auch Naturparke einen großen Beitrag für den Naturschutz leisten können und dass sie, genauso wie Nationalparke, eine feste Säule im bundesdeutschen Schutzgebietssystem darstellen.
Im Rahmen des Weltaktionsprogramms Bildung für Nachhaltige Entwicklung wollen wir zeigen, dass Naturparke Bildungsthemen auf die Fläche bringen können. Projekte wie die Naturparkschule oder die Naturparkkita zeigen dies.

Gibt es Probleme, die alle deutschen Naturparke betreffen?

Große Probleme bereitet derzeit der Ausbau der Erneuerbaren Energien –vor allem durch Windkraftnutzung und flächenhaften Maisanbau. Das ist sehr schwer zu steuern. Unsere Aufgabe ist es, einen Konsens zwischen Landschaftserhalt und Energiegewinnung zu finden. Die Naturparke können bei diesem Prozess natürlich nur mitwirken – es geht dabei aber auch um die Wertchätzung von Landschaft.

Vielen Dank für das Gespräch

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