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Sanfte Riesen mit großem Appetit

Wisenttagung in Schloss Criewen

Ende September trafen sich in der brandenburgischen Akademie „Schloss Criewen“ rund 80 Naturschützer, Wildbiologen, Wisenthalter und Interessierte unterschiedlicher Nationalitäten, um sich unter dem Titel „Wisente auf Wilder Weide – Arterhaltung und Ökologie“ über den aktuellen Stand der Zucht und Wiederauswilderung von Wisenten auszutauschen.

Das Europäische Wisent ist das größte Landsäugetier unseres Kontinents und kann dank seines großen Appetits mit 30 bis 60 Kilogramm Grünfutter am Tag ein wichtiger Partner in der Biotoppflege sein. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Wisent in freier Wildbahn vollständig ausgestorben. Um das Überleben dieser imposanten Tierart sichern zu können, wurde 1923 die „Internationale Gesellschaft zum Erhalt des Wisent“ gegründet. So konnten aus den letzten 54 Tieren in Gefangenschaft dank konsequent verfolgtem Erhaltungszuchtprogramm bis heute wieder mehr als 7.000 Tiere gezüchtet und Wiederansiedlungsprojekte in Polen, Rumänien und Spanien gestartet werden. Das klingt nach einem Grund zur Hoffnung und einem Erfolg für den Artenschutz. Doch während Polen eine landesweite Wisentschutzstrategie entwickelt hat und deren Umsetzung verfolgt, tut sich Brandenburg extrem schwer mit der Akzeptanz eines einzelnen Wisents.

So geschehen im September 2017, als ein Wisent friedlich grasend auf den Oderwiesen einen Kräutersammler überraschte. Der Landrat hatte damals in nur wenigen Minuten scheinbar die vollumfängliche artenschutzrechtliche Prüfung vollzogen und den Abschuss des streng geschützten Tieres veranlasst. Eine offensichtliche Fehlentscheidung, wie sich später herausstellen sollte, da waren sich auch alle Tagungsgäste in Criewen mit ihrem umfangreichen Wissen über die Tiere einig. Umso mehr erwarten Naturschutzorganisationen vom Umweltministerium jetzt die Entwicklung einer klaren Strategie, wie beim nächsten Ausflug eines freilebenden Wisents zu verfahren sei. Erstmal einzäunen und dann überlegen, was zu tun ist – so ist es in der Handreichung des Ministeriums derzeit zu lesen –, ist nicht nur gesetzeswidrig sondern auch viel zu kurz gedacht. Gemeinsam mit dem Institut für Zoo- und Wildtierforschung haben BUND und NABU daher dem Ministerium klare Maßnahmen vorgeschlagen. Hierzu gehören beispielsweise die Bereithaltung von Betäubungsgewehren und Senderhalsbändern zum Verfolgen der Tiere. Weitere Infos dazu unter www.nabu-bb.de/saeugetiere.

Eine vom WWF in Auftrag gegebenen Studie hat bereits zehn potentiell geeignete Gebiete für die Wiederansiedlung von Wisenten in Deutschland identifiziert. Eines der besonders vielversprechenden Gebiete ist die Region Cottbus-Spreewald-Guben. Auch wenn die ökologischen Voraussetzungen für die Wideransiedlung dort günstig wären und eine Anbindung an die in Polen freilebenden Wisente ermöglichen würde, wird deren Existenz maßgeblich von der gesellschaftlichen Akzeptanz und dem politischen Willen abhängen.

 

Christiane Schröder

Geschäftsführerin des NABU Brandenburg

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