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Ausgabe 4/2018

Tiere, Konsum und Nachhaltigkeit

Fritz Bornstück auf der Berlin Art Week

Zu Tierdarstellugen auf den Kunstmessen der Berlin Art Week „Art Berlin“ und „Positions“ im Flughafen Tempelhof Ende September 2018 finden sich unterschiedliche aktuelle Positionen. Thematisiert werden die Beziehungen von Tier zu Tier, Tier zur Freiheit und Unfreiheit, das Verhältnis des Tieres zum Menschen, die Verwandlung vom Tier zum Menschen, Mischwesen und zunehmend Nachhaltigkeit.

Galerist Alexander Ochs zeigt Werke von Fritz Bornstück. In seiner pastosen, teils großformatigen Malerei in Öl und Pigment auf Leinwand-Collage werden Lebewesen, reale wie phantastische Tiere zwischen Überresten der Zivilisation dargestellt, die von Pflanzen und Ranken überwuchert werden. Der Zerfall der Güter unserer Konsumgesellschaft wird sichtbar. In Bornstücks Vision erobert sich die Natur zurück, was als Müll vom Menschen zurückbleibt und verdrängt die Abfälle der Zivilisation. Es werden Stofffetzen, Fundstücke in die Bilder eingearbeitet. Als textile Collage wird die Malerei aufgebrochen, mancher Paradiesvogel besteht aus Abfallprodukten. Eine zweite sinnstiftende Ebene der verarbeiteten Gegenstände entsteht. Die prächtigen Farben der Paradiesvögel kontrastieren mit der nächtlichen melancholischen Tristesse ihrer Umgebung. Der 36jährige Künstler bevorzugt Tiere, die sich in Lebensräume einschleichen: Vögel, Schnecken, Spinnen, Insekten, Ratten. Er setzt sich mit dem Sozialverhalten der Krähen auseinander, Zusammenhalt contra Attacke. Betonknacker interessieren ihn, Löwenzahn in grauer Nacht. Zurzeit beschäftigen ihn verlassende Architekturen. Sie dominieren die Bildhintergründe. Denn Menschen werden durch ihre Umwelt beeinflusst. 
Der Künstler zeigt die Spätfolgen der Gewohnheiten des Menschen auf, der in den Bildern selbst abwesend bleibt. In seiner Malerei aus 2010 „The Politely Declined“, einem Ballett schwimmenden Plastikmülls, setzt er sich mit der Verschmutzung der Ozeane auseinander. Zu dieser Zeit, nach seinem Studium an der Udk Berlin bei Leiko Ikemura und Thomas Zipp, erhält er das Stipendium „De Ateliers“ in Amsterdam. Heute arbeitet er in seinem Atelier in Berlin-Neukölln und lebt Nachhaltigkeit in der Konsequenz, in der er denkt und malt. Es gibt Wasser aus Glasflaschen und Tee. Er bevorzugt Ruhe und Konzentration, vermeidet Ablenkungen.
Bornstück will Bilder neu schaffen, nicht Altbekanntes wiederholen. Er betrachtet sich als Sammler von Überresten und Geschichtenerzähler. Er meidet Prunk und Wertvolles als Bildgegenstand, bevorzugt das Einfache, Weggeworfenes. In seinen Skulpturen, Keramiken dominieren Alltagsgegenstände wie Zigaretten, Flaschen, Lebensmittel. Zerbrechlich und fragil wecken sie Geruchsassoziationen, halb Trash, halb Schatz, „Trashures“, Totems aus Müll. Nicht der moralische Fingerzeig, sondern das Zelebrieren der Schönheit des Verfalls motiviert den Künstler. Als stärksten Einfluss auf seine Kunst benennt er die Landschaftsmalerei von Caspar David Friedrich. Ist Fritz Bornstück ein neuer Romantiker?


Kerstin Wüstenhöfer

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