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Ausgabe 4/2016

Einfach und erfolgreich

Die Stunde der Gartenvögel

„Nächsten Winter brauch ich kein Futterhäuschen mehr aufstellen, weil keine Singvögel mehr da sind und Elstern füttern tu ich nicht! Geradezu unglaublich, dass dieser räuberische Vogel unter Naturschutz steht. Und was macht Ihr? Vermutlich weiter zuschauen, bis nur noch Elstern da sind."

Kommentare dieser Art erhält der NABU bei der „Stunde der Gartenvögel" zu Dutzenden. Argumente helfen da wenig  – etwa dass Elstern und Krähen zoologisch betrachtet doch auch Singvögel sind, dass Amseln oder Meisen sehr gut mit Verlusten umgehen können. Der empörte Meisenfreund hat es selbst erlebt, wie die Elster die noch nackten Küken aus dem Nistkasten stahl, wie die verzweifelten Eltern vergeblich dagegen ankämpften. Das eigene Erleben wiegt schwerer als tausend wissenschaftliche Studien.
Auch wenn diese selektive Vogelliebe noch ausbaufähig ist: Die wesentliche Hürde für die Teilnahme ist genommen, nämlich eine emotionale Beziehung zum Thema. Vielen Jüngeren fehlen solche konkreten Naturerlebnisse, das mag mit ein Grund dafür sein, dass 80 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer 40 Jahre und älter sind.
Darüber hinaus ist die Aktion denkbar einfach angesetzt. Eine Stunde lang werden in einem Garten oder Park die Vögel gezählt. Für jede Art wird die Zahl der maximal gleichzeitig sicht- oder hörbaren Tiere notiert. Die Ergebnisse werden online, per Post oder per Telefon an den NABU gemeldet – fertig. So gelingt es, bei der Stunde der Gartenvögel im Mai Jahr für Jahr rund 45.000 Teilnehmer zu gewinnen, bei der Stunde der Wintervögel im Januar sind es dank des vegetationsfreien Blicks sogar doppelt so viele. Das erreicht in Deutschland keine andere naturkundliche Aktion.
In vielen Medien sind beide Aktionen fast Selbstläufer. Trotzdem gibt es die Gefahr von Abnutzungserscheinungen, bei Zeitungen und Fernsehen ebenso wie bei den Vogelfreunden. Zwar sind zwei Drittel Mehrfach- oder Dauerteilnehmer, aber auch diese müssen jedes Mal neu motiviert werden, weitere Zehntausende müssen neu gewonnen werden, um das Niveau zu halten.
Es ist erstaunlich, wie viele Erkenntnisse eine solch simple Citizen-Science-Aktion bringt. Der NABU gleicht diese derzeit mit „professionell" erhobenen Daten ab, eine Veröffentlichung steht an. Gleichrangiges Ziel ist aber, dass sich möglichst viele Menschen mit der Natur beschäftigen. Der eigene Garten ist dabei idealer Ausgangspunkt. Und bestenfalls werden aus Naturfreunden Naturschutz-Sympathisanten oder sogar aktive Naturschützer.

Helge May
 

Die nächsten Termine: Stunde der Wintervögel vom 6. bis 8. Januar, Stunde der Gartenvögel vom 12. bis 14. Mai.

Wenn der Platz noch reicht, Kasten oder für die Marginale:

 

• An der Stunde der Gartenvögel nehmen gleich viele Frauen wie Männer teil.
• Beobachtet wird in der Regel alleine, bestenfalls zu zweit.
• Die Teilnahmequote ist regional sehr unterschiedlich. Dabei belegte Brandenburg 2016 nach Thüringen bundesweit Rang 2, Berlin als Stadtstaat nur den 15. und vorletzten Platz.
• 90 Prozent melden ihre Beobachtungen online, auch die älteren Semester.
• Die Facebook-Seite „Vogelfreunde“, einst zur Aktionsunterstützung gegründet, hat inzwischen 50.000 Fans.

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