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Ausgabe 4/2016

Umweltzentren in der Transformation von unten

Ergebnisse einer Online-Umfrage

Sie wollen Grundlegendes verändern. Von unten heraus, mit einfachen Dingen. Sie wollen teilen, Kaputtes reparieren, nicht in großer Ferne billig produzieren lassen. Die Welt wollen sie gerechter machen, grüner, schöner. Sie bezeichnen sich als Transformations- oder auch als Graswurzelbewegung. Viele ihrer Ziele finden sich auch in der Umweltbildung wieder. Doch finden beide auch zueinander?

Die Frage nach einer möglichen oder in Teilbereichen vielleicht schon bestehenden Zusammenarbeit von Umweltbildung und Transformationsbewegung interessiert auch die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. (ANU). Im Herbst 2015 befragte sie in einer bundesweit angelegten Umfrage die Mitarbeiter von Umweltzentren sowie freiberuflich tätige Umweltpädagoginnen und -pädagogen zu ihrem Verhältnis zur Transformationsbewegung. 111 von ihnen antworteten, die meisten von ihnen aus Hessen (14), Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (je 12). Auffällig war, dass die Mehrheit der Antworten aus Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern eintraf. Inhaltlich arbeiten die meisten der an der Umfrage teilnehmenden Umweltbildner nach eigenen Angaben in den Bereichen Naturerleben, Wildnis, Stadtnatur, Biologische Vielfalt und Naturschutz. Ihre Hauptzielgruppen sind Schulklassen, Kinder und Jugendliche.
Die Umfrage lieferte der ANU wichtige Erkenntnisse für weitere Projektmaßnahmen. So stellte sich beispielsweise heraus, dass einige Umweltzentren bereits heute gemeinsam mit Transformationsinitiativen Reparatur-Cafés oder Urban Gardening anbieten. Auf die Frage, welche Transformationsaktivitäten ihnen bekannt seien, benannten die Umweltpädagogen am häufigsten Kleidertauschbörsen und Reparaturwerkstätten, gefolgt von Permakultur und urbanen Gemeinschaftsgärten. Einiges aus diesem Bereich haben die Umweltzentren auch selbst im Angebot: Bücherschränke, Gemeinschaftsgärten und auch konsumkritische Stadtrundgänge, ebenso Kleidertauschbörsen und Anleitungen zur Permakultur.
Unter den bereits bestehenden Kooperationen mit Transformationsinitiativen liegen derzeit Gemeinschaftsgärten und Transition Town Gruppen vorn, gefolgt von Solidarischer Landwirtschaft und Reparaturwerkstätten. Doch was veranlasste sie überhaupt zu einer Zusammenarbeit? Häufig lag ihre Motivation noch in Projekten der Lokalen Agenda 21 und der UNESCO-Dekade, jetzt des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Bildung (BNE) und engagierten Mitarbeitern begründet. Was dann noch fehlte, waren ein paar innovative Ideen und das eine oder andere Vorbild aus anderen Regionen.  Kooperationen – etwa mit einem Modeladen oder der Stadtbibliothek – und das Schaffen von Gemeinschaft können noch zusätzlich motivieren.
Transformationsthemen werden jedoch bei weitem nicht von allen Umweltbildungseinrichtungen aufgegriffen. Woran liegt das?  Vor allem sei es Personalmangel, gefolgt von der Unvereinbarkeit mit dem Leitbild oder dem Jahresprogramm der jeweiligen Einrichtung, hieß es in den Antworten. Ähnlich sei es bei Kooperationen mit Initiativen, auch dort wurden Personalengpässe, Zeit- und Finanzmängel sowie hohe Erwartungen und unterschiedliche Ansprüche der Kooperationspartner als Hindernisse genannt. Angst vor Konkurrenz scheinen die meisten der Befragten hinsichtlich der Initiativen jedoch nicht zu haben.
Wie könnte es zu einer besseren Kooperation zwischen Umweltbildung und Transformationsinitiativen kommen? Die befragten Umweltbildner wünschten diesbezüglich mehr Angebote zum Kennenlernen, damit sie sich auf lokaler Ebene stärker mit den Initiativen vernetzen könnten – um dann gemeinsam wirksamer für eine nachhaltige Entwicklung einzutreten, beispielsweise bei der Öffentlichkeitsarbeit. Umweltbildungseinrichtungen vertrauen in diesem Punkt den Umfrageergebnissen zu folge überwiegend auf klassische digitale Medien, etwa auf die eigene Website und den E-Mail-Verteiler, gefolgt von Facebook. Die Ansprache junger Menschen erfolgt – korrespondierend zu den Hauptzielgruppen – hingegen durch schulische Arbeitsgruppen, Führungen und Vorträge an Schulen. Transformationsinitiativen könnten hier von verstärkten Kooperationen profitieren.
Doch welche Wirkung können die vergleichsweise kleinen Initiativen aus Sicht der Umweltbildner überhaupt erzielen?  Positiv hoben die Befragten das unmittelbare Erleben und den persönlichen Nutzen hervor, den die Teilnehmer aus dem "Learning by doing" ziehen können. Gut sei auch das Sichtbarmachen von Handlungsalternativen, die Wissensvermittlung in einem gemeinschaftlichen Umfeld und eine wertschätzende Kommunikation als Gegenantwort auf die konsumorientierte Wirtschaftsform. Kritisch wurde allerdings angemerkt, dass Langfristigkeit sinnvoller sei als Aktionismus oder dass Teilnehmende nicht immer die theoretischen und sozialen Hintergründe der Transformationsinitiativen erkennen würden. Bezüglich des Ressourcenschutzes wurden Reparaturwerkstätten als besonders effektiv hervorgehoben. Manche der befragten Umweltbildner halten die Graswurzelbewegung aber dennoch für nur wenig wirksam. Sie sei (noch) zu klein und zeige nur symbolisches Handeln, lang anhaltende Änderungen im Konsumverhalten seien nicht spürbar. Für ihre eigene Arbeit bewerten die Umweltbildungseinrichtungen die Transformationsinitiativen indes durchaus positiv, erhalten sie von ihnen doch immer wieder neue Impulse. Anregend für beide Seiten wird mit Sicherheit auch die am 3. und 4. Februar 2017 in Leipzig stattfindende bundesweite Projekttagung der ANU werden. Interessierte sind von ihr herzlich eingeladen, teilzunehmen.


Angelika Schichtel
Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V.



Alle weiteren Angebote des ANU-Projektes an Umweltzentren und Transformationsinitiativen wie Medien zur freien Nutzung, Geschichten des Wandels und ein Fotowettbewerb finden Interessierte unter www.umweltbildung.de/transformation.html.
Ansprechpartnerin: Angelika Schichtel, E-Mail: transformation@anu.de, Tel.: 069 71673329-31

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