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Ausgabe 4/2016

Kies bei die Fische

Feuchtwälderprojekt ermöglicht Schutz für Arten der Forellenregion

Bäume und Fische – passt das in einem Naturschutzprojekt zusammen? Wenn es sich um Bäume im Auenwald handelt sowie um Meerforelle und Lachs in der Stepenitz, dann in jedem Fall. Seit 2014 realisiert die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg in ihrem EU LIFE-Projekt „Feuchtwälder“ an drei brandenburgischen Fließgewässersystemen eine Fülle von Maßnahmen, um hierzulande selten gewordene Auen- und Moorwälder wieder herzustellen und zu entwickeln. Und neben den Bäumen profitieren an bestimmten Orten eben auch Fische von den Maßnahmen..

Wer Auenwälder schützen möchte, sollte auch etwas für die Fließgewässer tun, an deren Ufer die Wälder wachsen. Das Renaturieren dieser Gewässer ist daher auch ein wichtiges Ziel des Feuchtwälder-Projekts der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg. Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen soll es den Austausch zwischen Fluss und Aue verbessern.
Die im Rahmen einer Gewässerrenaturierung erforderlichen Arbeiten im und am Gewässer sind vielfältig – sei es der Wiederanschluss von Altarmen oder die Anhebung der Gewässersohle, der Einbau von Totholz als Element für eine bessere Gewässerstruktur oder das Abflachen von Uferverwallungen. Bei der Stepenitz, die bei Meyenburg entspringend den Landkreis Prignitz durchfließt, ehe sie in die Elbe mündet, kam im späten Sommer 2016 noch eine weitere spezielle Baumaßnahme hinzu. In ihr Bett wurde im Bereich einer jüngst umgebauten Brücke Kies eingebracht. Warum? Es geht um einige der Flussbewohner, die im Ober- und Mittellauf der Stepenitz sowie in einzelnen Bereichen ihrer Seitenbäche noch geeignete Lebensbedingungen finden. Denn bis in die Höhe von Perleberg unterliegen die Gewässer noch einer natürlichen – heute seltenen – Auendynamik. Bis weit in die Oberläufe hinein finden dort Fischarten der Forellenregion wertvolle Lebensräume: Bachforelle, Äsche, Westgroppe, Steinbeißer und das Bachneunauge fühlen sich dort heimisch. 37 Fischarten wurden im Stepenitzsystem bisher nachgewiesen. Damit zeichnet sich die Fischfauna durch eine besonders hohe Artenvielfalt aus. Zwei weitere und besonders prächtige Arten kamen vor nicht allzu langer Zeit hinzu, als der Landesanglerverband Brandenburg erfolgreich Meerforelle und Lachs in der Stepenitz ansiedelte.
Eben jenen Fischen, aber auch kleineren Artgenossen, soll nun in diesem Herbst und folgenden Jahren jene besondere Wasserbaumaßnahme zu Gute kommen, die im Zuge des EU LIFE-Projekts der Stiftung im September 2016 vollendet wurde: An nur zwei Tagen hat dort eine Fachfirma rund hundert Tonnen Kies in die Gewässersohle eingebracht. Erforderlich wurde dies, weil sich nach dem Umbau einer bei Klein Linde gelegenen Brücke unterhalb des Bauwerks verstärkt Auskolkungen und Rinnen im Bett der Stepenitz formten. Und zwar von inzwischen beträchtlicher Größe: fünf bis zwanzig Meter lang. Um ein Fortschreiten der Tiefenerosion in diesem Bereich zu verhindern, wurden die bereits entstandenen Kolke und Erosionsrinnen auf das ursprüngliche Sohlniveau aufgefüllt. Verwendet wurde heimischer Kies, der hierfür eigens aus einer benachbarten Kiesgrube gewonnen wurde, um den Ansprüchen der Salmoniden und Großsalmoniden – wie Bach- und Meerforelle sowie Lachs – aber auch denen anderer im Kies laichender Fische in der Stepenitz gerecht zu werden. Für ihre Eiablage benötigen diese nämlich ein Substrat aus Mittel- und Grobkiesen mit Korngrößen von 16 bis 64 Millimeter Durchmesser.
Der Oktober wird zeigen, ob sich die Mühen gelohnt haben, denn dann hat das Laichgeschäft der Salmoniden begonnen …

Marc Thiele
Stiftung NaturschutzFonds Brandenburg

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