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Ausgabe 4/2016

Der feuerfeste Salamander

Der Feuersalamander mit seiner auffallend gelb-schwarzen Hautfärbung ist über weite Teile Mittel- und Südeuropas verbreitet. Der bei uns bis zu 23 Zentimeter große Schwanzlurch lebt hauptsächlich in feuchten Laubwäldern des Hügel- und Berglandes, meist in der Nähe von Quellen und klaren Fließgewässern. In Berlin und Brandenburg konnten wie im ganzen nordostdeutschen Tiefland bislang noch keine Feuersalamander nachgewiesen werden. Als Verbreitungsgrenze nach Osten gilt die Elbe.

In der bildenden Kunst finden wir auf Gemälden erst im Zeitalter des Barock naturgetreue Darstellungen des Feuersalamanders. Der flämische Maler Peter Paul Rubens (1577–1640) gehörte zu den ersten Malern, die den Lurch detailgetreu abbildeten. Auf dem mächtigen Hochaltarbild, das er für die Minoritenkirche in Köln schuf, empfängt der heilige Franziskus, Gründer des gleichnamigen Ordens, die Wundmale von Christus in Gestalt eines sechsflügligen Seraphs. Vom Gekreuzigten geht strahlendes Licht aus, so dass sich der vor dem Heiligen sitzende Mitbruder Leo – Zeuge des Wunders – schützend die Hand vor die Augen hält. Der heilige Franziskus hatte sich der Legende zufolge in eine einsame Felsnische am Berg La Verna in der Toskana zurückgezogen, wo er 1224 die Wundmale Christi empfing.
Im Vordergrund des Bildes finden sich rechts ein Feuersalamander und ein Admiral. Der Schmetterling kann wie die Gehäuseschnecke auf einem Stein neben ihm als Sinnbild der Auferstehung interpretiert werden. Die im Vordergrund links auf einer Blüte sitzende Libelle versinnbildliche demnach die Seele. Der Greifvogel im Baum wird allgemein, aber nicht völlig überzeugend als Wanderfalke identifiziert, der die Standhaftigkeit des Heiligen symbolisiere.
Der Feuersalamander ist als Symbol des geläuterten Lebens des heiligen Franziskus zu verstehen. Laut dem Physiologus, einer frühchristlichen Naturlehre in griechischer Sprache, ist der gerechte Lebenswandel des Lurches der Grund für seine angebliche Feuerfestigkeit, die ihn auch resistent gegen das Feuer Satans und der Sünde mache. Einen fernen Nachklang der „feuerfesten Amphibie“ findet man noch in den Lurchi-Büchern eines deutschen Schuhherstellers, die seit 1937 erschienen. Deren gleichnamiger Titelheld ist ein Salamander, dem keine Gefahr etwas anhaben kann.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erscheint der Salamander auf Gemälden mit Heiligendarstellungen als positives Attribut der Reinheit und Läuterung. Mit seinem Habitat in bergigen Waldlandschaften und seiner verborgenen Lebensweise in Erdlöchern und Felsspalten passt der Feuersalamander obendrein zu Franziskus’ zurückgezogener Lebensweise als Einsiedler.

In der Literatur und im Aberglauben war der Salamander seit der Antike jedoch überwiegend mit negativen Bedeutungen belegt. Der römische Autor Plinius der Ältere beschreibt in seiner Naturalis historia den „Salamandra“ als so kalt, dass er Feuer zum Erlöschen bringe. Sein Gift sei so gefährlich, dass damit ganze Völker ermordet werden könnten. Ein Brunnen, in den ein Salamander falle, sei vergiftet, und selbst wenn man das Tier nur mit der Zehenspitze berühre, fielen einem sämtliche Haare aus. Tatsächlich sondern Feuersalamander bei Gefahr durch Drüsen an Kopf und Rücken ein weißlich-schleimiges Gift aus, welches für manche Tiere tödlich sein kann. Bei Menschen allerdings rufen diese Sekrete allenfalls Schleimhautreizungen hervor. Diese negative Konnotation des Salamanders war von der Antike bis in die frühe Neuzeit verbreitet und führte zu stilisierten Darstellungen in Form von drachenartigen Echsen oder Dämonen.

Rubens, der seinerzeit in Antwerpen lebte, hat den Feuersalamander sehr wahrscheinlich aus eigener Beobachtung gekannt, denn in den südlichen Niederlanden (heute Belgien) waren die Lurche weit verbreitet. Der Bestand ist allerdings in den vergangenen Jahren durch den vermutlich aus Asien eingeschleppten Hautpilz Bsal (auch „Salamanderfresser“ genannt), dramatisch zurückgegangen. In den Niederlanden sind an dem die Haut zerstörenden und offene Geschwüre hervorrufenden Pilz seit 2010 über 95 Prozent der Feuersalamander verendet. Mittlerweile ist der Pilz bei freilebenden Tieren in Deutschland nachgewiesen worden und bedroht auch die deutschen Populationen. Daher hat der NABU Deutschland zusammen mit den Universitäten in Braunschweig und Trier ein Untersuchungs- und Frühwarnsystem entwickelt. Tote Tiere sollen demnach gemeldet werden, diese werden dann auf Bsal untersucht und gegebenenfalls sollen ganze Populationen behandelt werden. Die Tiere müssten dazu aber gefangen und einige Tage bei einer Temperatur von mindestens 25°C gehalten werden, um den Pilz abzutöten. Wahrscheinlich wurde der schädliche Pilz durch den Import von asiatischen Schwanzlurchen nach Europa eingeführt. Eine stärkere Kontrolle des Handels und der Haltung von Wildtieren wird von Naturschützern deshalb nachdrücklich gefordert. Die USA hat bereits ein Importverbot für Terrarientiere erlassen.
In Deutschland ist der Feuersalamander laut Bundesnaturschutzgesetz zwar „besonders geschützt“, aber in der Roten Liste der Bundesregierung wird er als derzeit nicht gefährdet bewertet. In den Roten Listen einiger Bundesländer hingegen wird er als gefährdet eingestuft, denn die Bestände sind durch die Vernichtung von Laubmischwäldern und Laichgewässern sowie durch ihre Lebensräume zerschneidende Straßen rückläufig. Von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) wurde der Feuersalamander zum „Lurch des Jahres 2016“ ernannt, um ihn stärker in den Fokus des Naturschutzes zu rücken.


Iris Fleckenstein-S

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