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Ausgabe 3/2012

Jubiläum mit Perspektive

10 Jahre Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen

Auf dem Gelände der Fischerei Köllnitz haben sich zahlreiche Gäste eingefunden, unter ihnen auch die Storkower Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig. Das Zehnjährige der Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen, wo Drosselrohrsänger, Rohrdommel und Kranich ihren Lebensraum haben, wird gefeiert. Mit der Eröffnung einer Ausstellung über Fischotter und Fischadler sowie weiteren Plänen schaut die Heinz-Sielmann Stiftung freudig in die Zukunft.

Ministerpräsident Matthias Platzeck erscheint persönlich zur Feier, zwar verspätet – ein Unfall zwang ihn über Land zu fahren – und so stellt er seiner Rede eine kurze Entschuldigung voran. Im preußischen Kernland käme man nicht zu spät. Auch Inge Sielmann, die Frau des verstorbenen Naturfilmers Heinz Sielmann, ließ über den Vorsitzenden der Stiftung herzliche Grüße ausrichten, eine Armverletzung verhindere ihr Kommen – aber das sei ja kein Beinbruch, zitiert sie Michael Spielmann.
In den vergangenen zehn Jahren sei es gelungen, am Groß Schauener See Naturschutz und Fischerei gleichermaßen zu fördern. Und der Ministerpräsident betont, geschützt werde nur, was man kenne. Und dafür sei Groß Schauen ein exzellentes Beispiel. Denn hier wird nicht nur Naturschutz betrieben, der die Menschen außen vor lässt, stattdessen wird die Natur auch genutzt. Und darin liegt die große Chance. Im Miteinander. So würde auch die Region gefördert. Zahlreiche Projekte wie die Beweidung mit Wasserbüffeln, die Einführung der Fischadler-Paten, die Einrichtung eines Naturerlebnispfades oder das Nistkastenprogramm für Vögel, Fledermäuse und Hornissen haben dazu beigetragen. Und „ohne das Engagement der Heinz Sielmann Stiftung wäre“, so Spielmann, „diese Fläche heute sicher in privater Hand“, stattdessen konnten sich See und Uferlandschaften im Interesse des Gemeinwohls entwickeln.

Die Ausstellung
Eintauchen in den Lebensraum des Fischadlers, mit ihm hoch in die Lüfte fliegen und die Landschaft aus der Vogelperspektive betrachten. Quasi im Flug allerlei über sein Leben erfahren. Dem Rauschen des Windes und den Schreien der Adler lauschen. Aufschrecken, wenn einer ins Wasser taucht. All dies bietet der erste Ausstelungsraum. Informationen werden dabei nicht allein auf einfachen Schautafeln vermittelt, stattdessen können Klappen geöffnet, an Rädern gedreht oder Kalendertage umgeklappt werden. Interaktiv ist das Schlagwort. Auf einem Bildschirm können Szenen aus einem Fischadler-Horst, übertragen von einer Webcam betrachtet werden.
Wer genug hat vom Rauschen des Windes, kann im zweiten Ausstellungsraum ins Reich des Fischotters abtauchen. Und wieder sind es die Geräusche, die den Besucher sofort hineinziehen in den Lebensraum Wasser. Auch dort können Rollen gedreht, ein Film angeschaut, Fische im Aquarium beobachtet oder des Fischotters Lieblingsnahrung ertastet werden. Obwohl die Ausstellung auf kleiner Fläche angesiedelt ist, bietet sie sehr viel Information. Ein Spaß für Jung und Alt.

Die Geschichte
Die Heinz-Sielmann Stiftung kaufte seinerzeit 1.150 Hektar des bestehenden Naturschutzgebietes Groß Schauener Seenkette, das insgesamt 1.906 Hektar groß ist und sicherte somit den Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Erklärtes Ziel war und ist es, zum einen die naturnahen Flächen des Dahme-Seengebiets (Landkreis Oder-Spree) zu erhalten und zu schützen, aber trotzdem für Touristen zugänglich zu machen. Und gleichzeitig auch die Gewerbetreibenden zu integrieren. So danken die Festredner auch der Familie Peter Witzke, auf deren Fischerhof Köllnitz sich neben einem Hotel und Restaurant eben auch ein kleines Fischereimuseum und die Heinz-Sielmann Stiftung befinden. Wer also fangfrischen oder in der hauseigenen Aalräucherei geräucherten Aal, Zander, Hecht und Karpfen erwerben möchte, sollte dort seine Rundwanderung entlang des Groß Schauener Sees zumindest beenden. Extensiv ist die Fischerei, die dort betrieben wird. Das heißt, die Teiche sind naturnah, und es wird nicht oder nur minimal zugefüttert. Dafür eignen sich eben Aal und als Nebenfisch Zander Hecht und Schleie.
Auch Ministerpräsident Platzeck würdigte das Engagement der Stiftung im Land Brandenburg und insbesondere in der Naturlandschaft: „Eindrucksvoll zeigt sich hier, dass unser Land eine Heimat für Mensch und Natur ist. Groß Schauen beweist: Naturnahe Fischerei, umweltverträglicher Tourismus und Bewahrung der Natur sind eine Einheit und ergänzen sich.“

Ausblick
Doch längst ist nicht alles getan. Weitere Flächen im Umfang von 50 Hektar an der Groß Schauener Seenkette wird die Sielmann Stiftung zukünftig betreuen. Dazu gehört auch der „Alte Wochowsee“, der mit der Seenkette in Verbindung steht. Sein Abfluss ermöglicht den Austausch von wassergebundenen Organismen in beide Richtungen und stellt für Tiere wie den Fischotter eine wichtige Leitlinie im Gelände dar. Außerdem ist er Brutgebiet für Schell- und Schnatterente sowie Jagdgebiet von Fisch- und Seeadler.
Auch am Groß Schauener See ist laut Spielmann noch einiges geplant, denn die Menschen sollen nicht nur auf Schildern etwas über die Natur erfahren, sondern sie erleben können. Zum Beispiel soll ein solarbetriebenes Boot im Dienste der Umweltbildung über den See fahren. Das heißt, weiter neue Wege gehen. Aber immer getreu dem Motto: „Region befördern und das Juwel entwickeln.“

Kerstin Koch

Neue Ausstellung Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen
Die Ausstellung befindet sich auf dem Gelände der Fischerei Köllnitz eG
Groß Schauener Hauptstraße 31
15859 Storkow, OT Groß Schauen
geöffnet: täglich 9.00 bis 17.00 Uhr
Eintritt frei

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