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Seltene Vögel sehen

Gr0ßtrappen im Havelländischen Luch

Das Havelländische Luch gehört gemeinsam mit dem Fiener Bruch und den Belziger Landschaftswiesen zu den letzten drei Gebieten Deutschlands, in denen die Großtrappe vorkommt. Vor allem die Balz mit ihrem Höhepunkt in April und Mai zieht Besucher an. Aber auch zu anderen Jahreszeiten kann man im Havelländischen Luch verschiedenste Vögel beobachten.

Das Gebiet ist durch einen Wechsel von Niedermooren und Sandlinsen geprägt. Schon im 18. Jahrhundert begann die Entwässerung der Region, die sich in unterschiedlicher Stärke bis heute fortsetzt. Mit der Entwässerung der Landschaft wurden Flächen stärker landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Zunächst entstanden für die Großtrappen dadurch sogar neue Lebensräume, mit zunehmender Nutzungsintensität wurden sie für die Tiere allerdings unbewohnbar. Die Bestände der Großtrappe in Brandenburg hatten Mitte der 1990er Jahre mit 57 Tieren einen Tiefstand erreicht. Durch intensive Schutzmaßnamen sind die Bestände landesweit wieder auf über 200 Tiere angewachsen. Dazu gehörten Auswilderungen, Extensivierung und Anpassung der Landnutzung sowie Minimierung von Störungen. Auf großen Ackerschlägen wurden beispielsweise „Trappenstreifen“ angelegt – Flächen, die fortan nicht mehr beackert werden und wo sich nun Dauergrünland entwickelt. Neben Versteckmöglichkeiten finden Großtrappen dort ein vielfältiges Nahrungsangebot. Und nicht nur sie: Von den Maßnahmen profitieren auch viele andere Arten der Agrarlandschaft, wie Grauammer, Braunkehlchen, Rebhuhn oder Schafstelze.
Um die Gelege- und Kükenverluste durch Fuchs & Co. zu minimieren, wurden mehrere Flächen – jeweils 15–30 Hektar groß – eingezäunt. Diese Maßnahme kommt in besonderem Maß auch der Wiesenweihe zu Gute. Während des Winters und Frühjahrs halten Staueinrichtungen das Wasser im Havelländischen Luch. Flächen werden für einige Zeit überstaut und dauerhaft wieder vernässt. Auch viele Enten, Rallen und Limikolen (z. B. die Bekassine) profitieren von diesen Maßnahmen und nutzen die Flächen für Rast und Brut. Durch die verschiedenen Maßnahmen konnte somit nicht nur die Großtrappe vor dem Aussterben gerettet werden, es wurde auch für viele weitere Arten neuer Lebensraum geschaffen.

Ulrike Pohl

 

Besucherinformation

Das Havelländische Luch ist mit dem Zug über den Bahnhof Nennhausen oder mit dem Auto erreichbar. Im Gebiet sind viele landwirtschaftliche Wege ganzjährig gesperrt, manche nur während der Brutzeit. Im Interesse der störungsempfindlichen Großtrappen sollten die Wegegebote unbedingt respektiert werden. Die Aussichtstürme zwischen Buckow und Garlitz bietet einen guten Blick in das Balzgebiet. Führungen zur Balz werden vom Förderverein Großtrappenschutz e.V., der Naturwacht des Naturparks Westhavelland und dem NABU Regionalverband Westhavelland angeboten.

 

Steckbrief Großtrappe:

• Lebensraum: Steppen und weiträumige Agrarlandschaft
• Erscheinungsbild:  Oberseite gelbbraun, schwarz und grau gemustert, Hals und Bauch grau bis weiß; ♂ 7 - 12 kg, ♀ 4-5 kg, ♂ bis 1m groß, ♀ ca. 50cm
• Balzzeit: Mitte Februar - Juni
• Balz an traditionellen Balzplätzen, Hennen suchen die dort balzenden Hähne auf
• Gelege: 1 – 3, meist 2 olivgrüne Eier, auf Wiesen und Äckern in einer flache Mulde, Brutdauer ca. 25 Tage
• Brut und Aufzucht nur durch ♀, Küken sind Nestflüchter
• Nahrung: Altvögel v.a. Pflanzen, ergänzend Insekten und Mäuse; Küken in der ersten Lebenswoche ausschließlich Insekten
• in Mitteleuropa Standvogel (Ausnahme: Winterfluchten in strengen Wintern)
• Lebensalter im Freiland: bis über 20 Jahre
• wichtigste Gefährdungsursachen: Düngung, Pestizideinsatz, Intensive Nutzung (häufige Mahd, hoher Viehbesatz), Verluste durch Räuber, Störungen durch Menschen

Bestandsentwicklung:
- Bestand 1939: ca. 3500 Tiere
- Bestand 1965: ca. 900 Tiere
- Bestand Mitte 1990er: 57 Tiere
- Bestand 2007: 110 Tiere
- Bestand 2017: 238 Tiere

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