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Ausgabe 2/2017

Die Wolfsexpertin

Ilka Reinhardt (50)

Seit dem Frühjahr 2002 ist Ilka Reinhardt mit Wölfen in Sachsen beschäftigt. Die Diplom-Biologin hatte mit einer Arbeit über Luchsvorkommen in Slowenien ihr Studium beendet. Nach ihrer Ausbildung hatte sie u. a. in einem Bärenprojekt und über Dachse gearbeitet. „Sicher, es hätten auch andere Wildtiere sein können. Durch Zufall wurden es Wölfe“, sagt sie.

Noch bevor Ilka Reinhardt sich beruflich den Wölfen zuwandte, waren bereits erste Meldungen über das Auftauchen freilebender Wölfe auf sächsischen Truppenübungsplätzen bekannt geworden. Ihre Kollegin Gesa Kluth (Diplom-Arbeit über Wolfsvorkommen und -spuren in Estland) war schon seit 2001 vor Ort. Ehrenamtlich recherchierte sie, was an dem berichteten Wolfsvorkommen dran sein könnte.
2003 gründeten sie gemeinsam das Wildbiologische Büro Lupus. Was aus privater Initiative und aus kleinsten Anfängen begann, heißt jetzt Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, wo beide weiterhin im Ortsteil Spreewitz der Gemeinde Spreetal tätig sind. Sie sind Freiberufler; das Institut finanziert sich aus verschiedenen Werkverträgen und Projektmitteln. Die Biologinnen haben sich große Erfahrungen mit Wölfen erarbeitet. Ihr Institut ist heute der maßgebliche Datenlieferant für aktuelle Analysen zu freilebenden Wölfen in Sachsen und Deutschland, an dem keiner vorbeikommt, der die Situation beurteilen möchte. Ilka Reinhardt und ihre Kollegin schulen Personen aus ganz Deutschland und den Nachbarländern im Erkennen und Dokumentieren von Wolfsspuren. Sie beraten die Naturschutzbehörden der Bundesländer und des Bundes zum Thema Wolf.
Ilka Reinhard ist Mitglied der „Large Carnivore Initiative for Europe“, in der sich Wissenschaftler auf internationaler Ebene über Beutegreifer in Europa austauschen. Nahe der östlichen Grenze Deutschlands gehört auch der Kontakt mit polnischen Wolfsexperten zur Arbeit. „Vorrangig ist die Schreibtischarbeit, das macht ca. 90 Prozent unserer Tätigkeit aus. Dazu gehört die Datenauswertung, die jährlich aktuelle Feststellung der Populationszahlen und die Nachwuchsstatistik der hier vorkommenden Wölfe. Dabei helfen zwei Mitarbeiter und oft auch Praktikanten z. B. bei der Betreuung von Wildkameras und der Dateneingabe. Schwerpunkte der Freilandarbeit sind Sommer und Winter. Im Winter, sobald Schnee liegt, erfolgt die Suche nach Genetikproben. Im Sommerhalbjahr steht die Suche nach Reproduktionshinweisen im Vordergrund, also die Fragen, wie viele Rudel gibt es, haben sie Welpen?“
Im frischen Schnee spüren zu gehen, das nennt sie „ein einmaliges Erlebnis“. In den 15 Jahren ihrer Tätigkeit hat sie erst dreimal zufällig beim Hundespaziergang Wölfe gesehen. „Natürlich habe ich im Rahmen meiner Arbeit schon häufig Wölfe gesehen, aber Zufallsbeobachtungen sind äußerst selten“, sagt die erfahrene Wolfsexpertin.
Während der ersten zwölf Jahre wurden vom Institut Lupus auch von Wölfen gerissene Nutztiere begutachtet und Schafhalter beraten. Diese Aufgabe liegt jetzt in der Verantwortung der Landkreise. Für Öffentlichkeitsarbeit und -kontakte ist das „Kontaktbüro Wölfe in Sachsen“ in Rietschen zuständig. In Sachsen wird die Öffentlichkeit umfangreich und aktuell über Wölfe informiert, das ist für den Umgang mit den Wolfsvorkommen vermutlich entscheidend. „Die Bevölkerung hier im Wolfsgebiet ist ziemlich relaxed“, sagt Ilka Reinhardt.

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