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Ausgabe 2/2017

Wer, wenn nicht wir

Was bringt ehrenamtliches Engagement für den Naturschutz?

Mehr als 30 Prozent der erwachsenen Deutschen üben eine ehrenamtliche Tätigkeit aus. Ohne dieses freiwillige Leistung Vieler wäre unser gesellschaftliches Leben um einiges ärmer, würde vieles auf der Strecke bleiben. In besonderem Maße trifft dies auf den Schutz von Natur und Landschaft zu.

Es ist Anfang März. Überall werden jetzt Amphibienschutzzäune errichtet, meist in freiwilliger Arbeit. So auch im mittelmärkischen Güterfelde. Mehr als 20 Freiwillige sind dem Aufruf des Potsdamer NABU-Kreisverbandes gefolgt, um eine etwa 800 Meter lange Schutzanlage zu errichten. Alles ist perfekt organisiert. Material und Werkzeug ist vorhanden, an vier Stellen gleichzeitig wird gearbeitet. Nach vier Stunden, inklusive Mittagspause, steht die Anlage. Während der kommenden Wochen heißt es dann, Kröten über die Straße zu tragen.

Motivation durch Sinn

Was bewegt Menschen, sich in ihrer freien Zeit um den Schutz von Kröten und Fröschen zu kümmern, in aller Frühe Fangeimer zu leeren? Für Aktive wie Petra und Burghard Sell ist das klar: Wer, wenn nicht wir. Wobei sie mit "wir" nicht nur sich selbst meinen. Die Sells gehören zu den aktivsten Mitstreitern beim NABU Potsdam. Ob Amphibienschutz, Biberschutz oder Wiesenmahd – sie fehlen selten. Ihr Engagement entspringt nicht nur ihrer ausgeprägten Liebe zur Natur, sondern vor allem auch der Erkenntnis, dass etwas getan werden muss. Eigenes Erleben, Medienberichte über den Zustand der Umwelt und eine besondere Affinität zur Natur sind für die meisten Aktiven Motivation genug, sich auch ohne Bezahlung im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu engagieren.
Mit Gleichgesinnten etwas Sinnvolles in und für die Natur zu tun, macht außerdem Spaß. Die Begegnung mit anderen Menschen erweitert den „Horizont“, neue Kontakte werden geknüpft, Freundschaften entstehen. Wenn am Ende des Wanderungsgeschehens die Zäune wieder abgebaut werden und die Ergebnisse vorliegen, erfüllt das Vollbrachte alle Beteiligten mit Stolz und Genugtuung. 2.000 Kröten und Frösche erreichten diesmal wohlbehalten ihre Laichgewässer und kamen wieder zurück.
Kröten retten, Wasservögel zählen, Biotoppflege, Artenschutzmaßnahmen, Schutzgebietsbetreuung – die Arbeit an der Basis ist das A und O ehrenamtlicher Tätigkeit. Für jeden ist etwas dabei. Die Ergebnisse sind oft unmittelbar sicht- und messbar. Blütenreiche Feuchtwiesen oder Trockenrasen, Froschkonzerte und eine vielstimmige Vogelwelt sind mancher Mühen Lohn.
Spezialisten finden auf regionaler Ebene in Fachgruppen oder landesweit in Fachausschüssen ein breites Betätigungsfeld. Dort können sie häufig auch ihre beruflichen Qualifikationen einbringen. Umgekehrt bietet ein ehrenamtliches Engagement jungen Menschen die Möglichkeit, erste praktische Erfahrungen zu sammeln, sich auszutesten sowie eigene Fähigkeit und Kompetenzen zu entwickeln – meistens mit positiven Auswirkungen auf ihren späteren beruflichen Werdegang.

Ergebnisse sind der Lohn
Wer sich ehrenamtlich für den Naturschutz engagiert, möchte sich auch an Ergebnissen erfreuen. Seien es gerettete Kröten, ein vor dem Fällen bewahrter Baum oder die lilafarbene Blütenpracht einer Orchideenwiese. Was regional gelingt, sollte auch bei Themen von überregionaler Bedeutung funktionieren. Dort punktet der NABU mit der Fachkompetenz seiner Mitglieder, beispielsweise beim Monitoring geschützter Arten im Rahmen der FFH-Managementplanung oder auch beim Wolfsmonitoring.
Nicht selten liegen Lust und Frust aber dicht beieinander. Ob großflächiger Glyphosateinsatz, Gift und Windräder in Wäldern oder das Verschwinden ganzer Alleen – die Auswüchse naturschutzfeindlicher Politik können schon frustrieren. Oder aber empören. Und das ist schon wieder Motivation genug, etwas zu tun.

Wolfgang Ewert

 

Ehrenamt im Ökowerk

Das Ökowerk Berlin ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit einem ehrenamtlich arbeitendem Vorstand. Er gestaltet die Geschicke des Naturschutzzentrums und bringt sich aktiv in das Programmangebot ein. Aber auch in anderen Bereichen gibt es bei uns viele „aktive Mitglieder“. Sie packen in den Themengärten an und gestalten sie selbstständig. Benötigt wird dafür Artenkenntnis, gärtnerischem Geschick und Lust, bei jedem Wetter draußen in der Natur zu arbeiten. Das Giftkräuterbeet, das Herz-Kreislauf-Beet und der Blütenbesuchergarten zeigen beispielhaft, was unsere „Aktiven“ leisten. Und noch viel mehr: Der ganze Biogarten steht unter ihren Fittichen, ebenso die Teiche und das „Barfußgärtlein“ sowie die Betreuung der Ausstellung „Wasserleben“ an den Wochenenden. Und dass unser beliebtes Ökowerkfest ohne sie gar nicht denkbar wäre, ist eigentlich sowieso klar. Last but not least: Um die zwei Bienenstöcke auf dem Gelände kümmern sich unsere ehrenamtlichen Hobbyimker. Über ihre Arbeit werden wir in einer der nächsten Ausgaben berichten.
Was würden wir nur ohne unsere Freiwilligen tun? An dieser Stelle ein ganz herzlicher Dank an alle, die uns helfen, das Ökowerk zu einem faszinierenden Ort in der Natur zu machen. Haben Sie jetzt Lust bekommen, uns zu unterstützen? Unter der Telefonnummer 030 30000514 können Sie gerne nachfragen, ob wir etwas „passendes“ für Sie haben.

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