Hintergrundelement

Die Gutachterin

Felisa Henrikus (36)

ist in Baden-Württemberg aufgewachsen. Zu den Erinnerungen aus dieser Zeit gehört der Weinberg ihrer Oma. Im Frühjahr und Frühsommer sammelte sich am feuchten Hang das Wasser in einem Trog. Ein Feuersalamander, ein auffällig Gelb-Schwarz gefleckter Schwanzlurch, die Art kommt in Brandenburg nicht vor, setzte darin regelmäßig seine Jungen ab. Das ist lange her, heute ist dieser Weinberghang trocken, aber daher resultiert Felisas lebenslange Passion für Amphibien. „Die Studienergebnisse geben vielfältige Impulse für die Gestaltung von Naturschutzkommunikation und -politik“, erklärte das BfN zur Vorstellung der Studie, die unter dem Link www.bfn.de/25161.html zum Download zur Verfügung steht. Über die Ergebnisse der Umfrage sprachen wir mit dem Soziologen Dr. Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der an der Studie mitgewirkt hat.

Sie studierte Biologie, Ökologie und Naturschutz in Potsdam, schrieb ihre Master-Arbeit über die lückenhafte Verbreitung des Laubfrosches an der brandenburgischen Elbe und arbeitet seit 2012 als Gutachterin vorzugsweise für Amphibien, Reptilien und Fledermäuse in Rangsdorf.
Ihre Tätigkeitsschwerpunkte im Jahresverlauf sind eng an die Naturabläufe gebunden. Im Winterhalbjahr von Ende Oktober bis Ende Februar überwiegt die Arbeit am Schreibtisch: Datenauswertung, Artenbestimmung und Analyse der aufgezeichneten Fledermausrufe, Gutachtentexte schreiben, außerdem sind in dieser Zeit Baumfällungen zu begleiten.
„Die Kontrolle alter Gebäude, die abgerissen werden sollen, ist ein eigener Arbeitsbereich, Stichwort ökologische Baubegleitung. Hier gibt es ganzjährig zu tun. Vor dem Abriss müssen Altbauten, Wohngebäude, Gebäudeblocks, aber auch gewerbliche und technische Bauten auf Niststätten, Schlafplätze und Tagesquartiere von Gebäudebrütern und Fledermäusen kontrolliert werden. Wenn das unterbleibt, müssen später, wenn nachweislich Vogelbruten im Gange oder Fledermäuse eingezogen sind, die Abrissarbeiten gestoppt werden. Das erzeugt hohe Kosten für die Bauherren.“
In solchen Fällen hat Felisa Henrikus auch schon mal den Traufbereich eines großen Wohngebäudes, das für den Autobahnbau in Berlin-Neukölln abgerissen werden musste, im Frühjahr vorsorglich mit Netzen (Maschenweite 1 cm) verhängen lassen. Nach der kurzen Unterbrechung für die Netzarbeiten konnten die Abrissarbeiten den Sommer hindurch weitergehen, weil das Bauwerk nun für Haussperlinge, Hausrotschwänze, Schwalben, Mauersegler und andere Gebäudebrüter wie auch für Fledermäuse unzugänglich war.
Mit den Amphibienwanderungen zu den Laichgewässern beginnt für Felisa Henrikus wie auch für andere faunistische Gutachter die arbeitsreiche Zeit. Sie reicht bis in den Hochsommer. Fledermäuse werden in Netzen gefangen, mit Minisendern ausgestattet und wieder frei gelassen. So lassen sich die Raumnutzung der Tiere in den Landschaftsstrukturen und die Quartierstandorte nachweisen. Die Fledermäuse wandern auch in großem Maßstab zwischen den Wintereinständen und den Sommerlebensräumen. Diese Wanderungen erfolgen, ähnlich der der Zugvögel, im Frühjahr und Herbst. Viele Einzelheiten und Routen sind aber noch unerforscht.
In den Sommermonaten mit ihren langen Tagen und kurzen Nächten werden die Kartierungsarbeiten und das regelmäßige Erfassen von Fledermäusen mitunter stressig. „Ab Sonnenuntergang und Abenddämmerung, wenn die Tiere ihre Tagesruheplätze verlassen, dann die kurze Nacht hindurch und erneut in der Dämmerung bis zum Sonnenaufgang müssen viele Orte und Himmelsrichtungen intensiv und konzentriert beobachtet werden, während um mich herum – für Leute ohne Bat-Detektor gänzlich unhörbar – das Fledermaus-Gesellschaftsleben hoch aktiv ist.“ Die Gutachterin ist in der Regel auf sich allein gestellt, sie parkt ihr Auto bei den Untersuchungsflächen und begibt sich mit Aufnahmegeräten, Kartenausschnitt, Notizbuch und Taschenlampe in die unterschiedlichen Waldstrukturen und Offenbereiche. Und immer dabei: die Genehmigung der Naturschutzbehörden für die Durchführung der Untersuchungen. Selten, aber manchmal entstehen dabei auch Konflikte: „Ein Jäger hatte Klage erhoben wegen Störung des Jagdbetriebs“, berichtet sie. Die gesammelten Daten sind von Bedeutung beispielsweise für die Erstellung von Managementplänen für Schutzgebiete sowie für die Festsetzung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Die Daten gehören dem Auftraggeber.

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