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Ausgabe 2/2017

Der Großtrappenschützer

Henrik Watzke (47)

beendete sein Studium der Biologie an der Lomonossov-Universität in Moskau mit einer Diplomarbeit über das akustische Repertoire des Polarfuchses. Ein Sommer lang hatte er dafür auf den Kommandeurinseln über diese Fuchsart geforscht. Die Kommandeurinseln liegen im Beringmeer östlich von Kamtschatka zwischen Nordamerika und Asien. Klimafolgenforschung (PIK), der an der Studie mitgewirkt hat.

Als Mitarbeiter der Humboldt-Universität war er beim Naturschutz-Großprojekt Schorfheide tätig, einem Verbundprojekt unter der Regie von BMBF und DBU. Danach untersuchte er während eines  dreijährigen Aufenthaltes in Russland die aktuelle Verbreitung der Großtrappe in der südlichen Wolga-Region und deren Zugwege. Weitere Forschungsreisen führten ihn in die Ukraine und in die Mongolei. „Auch hier ist die Großtrappenpopulation rückläufig, für die Mongolei fehlen jedoch landesweite Daten“, sagt Henrik Watzke
Neun Jahre lang leitete Watzke die „Storchenschmiede“ im brandenburgischen Linum, die der NABU Berlin dort betreibt. Damals waren umfangreiche Um- und Ausbauarbeiten an den Gebäuden der Naturschutzstation im Gange. Zu seinen Aufgaben gehörten viel Öffentlichkeitsarbeit für die Ausstellungen und das weitere Veranstaltungsprogramm, zahlreiche Führungen zur Brutzeit der Störche und vor allem während des Kranichzuges, Vorträge vor Kita-Gruppen und Schulklassen. Außerdem praktischer Naturschutz, wie die Förderung der Schleiereulen und Dohlen in der weiteren Umgebung. Dafür wurden Nistmöglichkeiten in den Scheunen der Bauern und in den Kirchen eingerichtet. Im Linumer Teichgebiet erfolgten alljährlich Vogelberingungen und an den Schlafgewässern wurden früh am Morgen die abfliegenden Kraniche gezählt.
Seit Mai 2012 ist Henrik Watzke Geschäftsführer des Fördervereins Großtrappenschutz e.V. mit Sitz in Buckow im Havelländischen Luch. Mit seiner großen, auch internationalen Erfahrung über die Situation der Großtrappenpopulationen und die Gefährdung der Art ist er genau der richtige Mann am richtigen Platz.
Im März war er auf einer internationale Großtrappen-Fachtagung in Illmitz in Österreich. Dort ging es um die heutigen Vorkommen der Großtrappe und ihre Verbreitung sowie um Schutz- und Fördermaßnahmen. Eine weitere Trappen-Tagung wird 2018 in Deutschland stattfinden. „2016 war kein so gutes Jahr für die Großtrappen in Deutschland“, sagt Henrik Watzke. Er verweist auf die geringen Nachwuchszahlen des vergangenen Sommers – auch eine Folge von Regenperioden zur Brutzeit. Dadurch ist der aktuelle deutsche Gesamtbestand mit 238 Trappen gegenüber 2016 nur leicht angestiegen.
In seinem Arbeitsalltag überwiegt die Schreibtischtätigkeit: „Projekte beantragen, durchführen und abrechnen, dazu die Verwaltung von Flächen und ihre Verpachtung kosten Zeit. Der Förderverein hat mehr als 1,000 Hektar Landwirtschaftsflächen für den Naturschutz gesichert. Nach Möglichkeit wollen wir weitere Flächen zukaufen.“
Henrik Watzke hat eine Mitarbeiterin und – vor allem in der Hauptaufzuchtzeit der Großtrappenküken, die aus gestörten und verlasssenen Gelegen in der Buckower Station künstlich erbrütet werden – weitere Mitarbeiter mit befristeter Anstellung oder Werkverträgen. „Füchse und Waschbären, die sind hier inzwischen häufiger als der Fuchs, holen sich Trappen und ihren Nachwuchs. Außerhalb der umzäunten Flächen gibt es kaum erfolgreiche Bruten. Deshalb werden die Prädatoren bejagt, auch durch Fallenstellung. Wir entfernen die Pappeln auf den Freiflächen, weil sie unter anderem vom Seeadler als Ansitz genutzt werden. Seeadler erbeuten vor allem die besonders wertvollen Altvögel“, sagt Henrik Watzke.
Für Großtrappenschützer gibt es noch weitere Probleme :„Windkraftanlagen stören nachweislich den Individuenaustausch zwischen den Brutgebieten Havelländisches Luch, Belziger Landschaftswiesen und Fiener Bruch. Das ist nicht gut für den genetischen Austausch.“
Im April und Mai, zur Balzzeit der Großtrappen, ist das Interesse an diesen Vögeln unter den Naturschützern und Ornithologen besonders groß. „Die vom Förderverein angebotenen Führungen in die Balzgebiete sind schnell ausgebucht. Es können aber darüber hinaus weitere Führungen bei uns verabredet werden“, erklärt Watzke. „Wir hatten hier schon Besucher aus fast 40 Ländern, darunter viele Dänen, Briten und Niederländer.“

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