Hintergrundelement
Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv

Ausgabe 1/2018

Grüne Lebensgester

Vitamin- und mineralstoffreiche Wildkräuter vertreiben die Wintermüdigkeit

Wie alle Kräuterfans sehne ich mich bereits im Dezember nach dem ersten zarten Grün. Anfang Februar schleiche ich dann um unseren Kirschbaum, an dessen Fuße sich die kleinen braunen „Knollen“ des Scharbockskrauts in der Erde regen.

Da! Das erste Blättchen des Scharbockskrauts ist draußen! Jetzt kann dieses leicht bittere, mild-nussig schmeckende erste Wildgemüse wieder unseren Tisch bereichern. Bald wird es die Böschungen und den Waldboden mit einem glänzend grünen Teppich überziehen. Wenn die Sonne den Boden erwärmt, zeigt es im März seine leuchtend gelben Blüten. Jetzt ist die Erntezeit der herzförmigen Blätter schon wieder vorbei, denn nun steigt deren Gehalt an giftigen, schleimhautreizenden Alkaloiden. Im Mai vergilben die Blätter und sind alsbald verschwunden.
Unterdessen sind weitere Frühlingskräuter erwacht: Die ersten Gierschblätter stehen auch in diesem Jahr wieder an unerwünschter Stelle im Garten. Die Löwenzahnrosette vom Vorjahr schiebt frische Blättchen und die Brennesselstaude hat gar mit winzig kleinen Blättchen überwintert. Auch die Gänseblümchen zieren mit ihren lieblichen weißen Köpfchen den nachwinterlich gelbbraunen Rasen. Die Ranken der Gundelrebe richten ihren Trieb gen Himmel, bald werden auch ihre blau-violetten Blüten erstrahlen. In der Wiese bilden die fein-ziselierten Schafgarbenblättchen einen dichten Rasen – hier und da durchsetzt von einer Spitzwegerichrosette.
Eine sehr alte Frühlingssuppe, die Neun-Kräuter-Suppe, hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance erfahren. Als Obst und Gemüse noch nicht über viele tausend Kilometer importiert wurde, lechzten die Menschen nach den langen kalten Wintermonaten vitamin- und mineralhaltigem Grün. Giersch, Brennesseln und Löwenzahn waren überall die Grundzutaten dieser Vitaminbombe, die restlichen  Kräuter variierten von Region zu Region, manchmal auch von Jahr zu Jahr – je nach Witterung. Schaumkraut, Sauerampfer, wilder Lauch oder Knoblauchsrauke konnten die „Neune“ komplettieren.
Gänseblümchen und Brennesseln kennt ein jedes Kind. Doch bei vielen anderen Kräutern drohen Verwechslungen mit giftigen „Doppelgängern“. Immer wieder werde ich gefragt, ob man die „wilde Petersilie“ in der Wiese essen kann. Meist handelt es sich dabei um eines der vielen Hahnenfußgewächse (Ranunculus spec.), eine artenreiche Gattung, deren Vertreter alle mehr oder weniger giftig sind. Deshalb ein paar grundsätzliche Worte zum Kräutersammeln: Sammeln sollte nur, wer sich wirklich auskennt. Für jede Pflanze gibt es den richtigen Sammelzeitpunkt. Die Inhaltstoffe verändern sich im Laufe des Jahres, Blütezeit aber auch die sich ändernde Sonneneinstrahlung spielen eine entscheidende Rolle. Im Frühjahr ist, ebenso wie im Herbst, Zeit für die Wurzelernte. Haben die Pflanzen ausgetrieben, wandert deren Kraft in die oberirdischen Teile. Die Zeit der Wurzelernte ist dann bis zum Herbst vorbei. Auch der Ort, an dem ein Wildkraut wächst, entscheidet über seine Inhaltstoffe: Überdüngte Wiesen oder vielbefahrene Straßenränder sollte man meiden, die Pflanzen sind dort zu belastet. Und selbstverständlich ist das Sammeln in Naturschutzgebieten tabu.Marina Delzer
Viele weitere Infos und Rezepte zu Wildkräutern sowie zu Veranstaltungen und Führungen mit der Autorin unter www.gruen-und-wild.de

Leserkommentare Kommentar Icon (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreiben Sie hier Ihr Kommentar zu dem Beitrag:

Hinweis:
Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet. Alle Felder sind Pflichtfelder.
 

AKTUELLE

Ausgabe 3/2018

Pfeil blue

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe des Naturmagazins
mehr...