Hintergrundelement
Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv

Ausgabe 1/2018

Begeistert von den Fliegern der Nacht

Maik Korreng aus Massen bekam den Naturschutzpreis 2017

Dass er einmal Förster werden würde, stand für Maik Korreng (47) wie in Stein gemeißelt fest. Also unternahm der in Finsterwalde geborene Brandenburger alles dazu Notwendige. Das Leben hat ihn auf verschlungenen Pfaden nicht genau dorthin, doch in eine ähnliche, befriedigende Tätigkeit in der und für die Natur geführt. Und er engagiert sich darüber hinaus mit viel Zeit, Aufwand und Kompetenz ehrenamtlich für den Artenschutz eines ganz besonderen, nachtaktiven fliegenden Säugers, was ihm vor kurzem die Anerkennung mit dem Naturschutzpreis 2017 der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg einbrachte.

Mit der Verleihung des Brandenburger Naturschutzpreises würdigte die Stiftung auch 14 Jahre wissenschaftliche Begleitung und Datenerhebung über Brandenburger Fledermäuse sowie seine Aktivitäten in der Umweltbildung. Dass inzwischen im Elbe-Elster-Kreis 16 von 18 Brandenburger Arten, die meisten eher versteckt lebend, nachgewiesen sind, ist auch ihm zu verdanken. Mit Naturverbundenheit und Neugier ausgestattet, absolvierte Maik Korreng als Heranwachsender seine Ausbildung zum Facharbeiter für Forstwirtschaft. Am Ziel der Wünsche angelangt? Die Wende nahte und mit ihr viele Veränderungen, die auch diesen Bereich gewaltig betrafen. Maik Korreng sah Risiken und Chancen, machte das Fachabitur, um von 1994 bis '98 eine Fachhochschulausbildung zu beginnen. Als Diplom-Forstingenieur (FH) verbrachte er seine Anwärterzeit für den gehobenen Forstdienst von 1998 bis 1999 in Niedersachsen. Den Natur- und Wirtschaftsraum Wald und dessen Verwaltungseinrichtungen musste er schweren Herzens, auch mit Hilfe seines Vaters, statt durch „die rosa Brille“ nüchtern betrachten. Stellen wurden abgebaut, ganz anders gearbeitet.
Er blieb dem Naturmaterial treu, wurde Holzeinkäufer. Als technischer Mitarbeiter bei der Sächsischen Landesanstalt für Forsten war er 2001 bis 2003 im Bereich Waldökologie/Forsteinrichtung tätig. Für das Umweltamt des Elbe-Elster-Kreises arbeitete er in einem geförderten Projekt, dessen Inhalt die Erfassung gebäudesiedelnder Tierarten in diesem Landkreis beinhaltete. Als er dafür im Winter 2003/2004 Schwalben, Turmfalken, Dohlen, Schleiereulen und Fledermäusen auf der Spur war, erwachte seine Liebe zu den zartgeflügelten Nachtwesen. „Die Fledermäuse waren überall dort anzutreffen, wo man als Kind trotz Verboten nur zu gern unterwegs war: Auf Kirchen- und Dachböden, in Kellern und Ruinen“, erklärt er. Nun konnte er diese spannenden Streifzüge an besonderen Orten sogar beruflich unternehmen! Es wurde eine wissenschaftliche Arbeit verlangt, die er lieferte. Maik Korreng lernte viel dazu und das Projekt machte ihm großen Spaß. Er legte die Idee von der gehobenen Förster-Laufbahn ad acta und bewarb sich stattdessen erfolgreich beim Gewässerunterhaltungsverband "Obere Dahme/Berste". Der Verband erfüllt als Körperschaft des öffentlichen Rechts hoheitliche Aufgaben an Fließgewässern II. Ordnung.
Maik Korreng ist Verbandstechniker und froh, dass er bei dieser Arbeit mit Personal- und Technikverantwortung ein ausgewogenes Verhältnis zwischen notwendiger Schreibtischtätigkeit und Aufgaben im Freien hinbekommt. Alles andere wäre für ihn wenig akzeptabel. Er ist Ansprechpartner für Landwirte, Behörden, Unternehmer und Grundbesitzer, kümmert sich um Unterhaltungsmaßnahmen und Controlling, sichtet die Fließgewässer seines Territoriums – und hat natürlich immer auch Augen und Ohren für den Naturschutz. Seine ehrenamtliche Arbeit für Erfassung, Schutz und Erhalt der Fledermäuse in der Region, die 2003 ihren Anfang nahm, hat er stetig ausgebaut, sie komplettiert gewissermaßen seine berufliche Tätigkeit. Im Jahr 2005 richtete er das erste Fledermauskastenrevier ein. Da war aus dem Interesse bereits ernsthafte Beschäftigung mit den Säugern, ihrem Vorkommen, Arten und Lebensgewohnheiten geworden. Maik Korreng wusste, dass die Lebensräume der Fledermäuse in Gebäuden, in Höhlen und Spalten alter Bäume abnehmen. Also musste man Quartiere schaffen, in der Hoffnung, dass die Tiere sich ansiedeln, bleiben und fortpflanzen.
Fledermauskästen in ihren verschiedenen Formen – aus Holz oder Holzbeton, in flacher oder runder Form und verschiedensten Größen – sind ein sinnvolles und an manchen Stellen willkommenes „Wohn-Ergänzungsangebot“. „Manche Arten brauchen den Kontakt zum Substrat, zu Holz oder Borke“, erklärt Maik Korreng. Für diese, Spaltenquartiere bevorzugenden, Arten hängt der Fledermausexperte die Flachkästen auf. Mit der Zeit hat er eine Handvoll Gleichgesinnter um sich versammelt, die im NABU Regionalverband Finsterwalde e. V. die „Initiative Fledermausschutz Landkreis Elbe-Elster“ (IFLEE) bilden. Gemeinsam kümmern sie sich um die natürlichen Fledermaus- und die eingerichteten Kastenquartiere. Die müssen regelmäßig zwei bis sieben Mal im Jahr kontrolliert werden, Winterquartiere und „Wochenstuben“ werden gesichtet, einige Kästen, in denen bestimmte Arten leben, fordern wissenschaftliche Begleitung. Maik Korreng hat mit 500 Kästen den Löwenanteil, andere Mitstreiter sind beispielsweise nur für ein bestimmtes Gebäude verantwortlich.
Eine wichtige Aufgabe, der sich die Mitstreiter der IFLEE stellen, ist die Öffentlichkeitsarbeit. Seit zehn Jahren organisieren sie jährlich an einem anderen Standort die „Fledermausnacht“. Jung und Alt sind zu Vorträgen und Videos eingeladen, und am Schluss steht das Sichten eines „Netzfangs“ auf dem Programm, also Natur hautnah für die Besucher. Verständnis und Interesse für die heimische Artengruppe werden geweckt oder gefördert. Auch um die Umweltbildung an mehreren Schulen hat sich Maik Korreng inzwischen verdient gemacht. Mit wachsender Bekanntheit wird er zunehmend angesprochen, wenn Menschen verirrte, kranke oder verendete Fledermäuse finden. „Der Fledermausflüsterer“, wie er bereits tituliert wurde, kümmert sich. Gut, dass er in dem kleinen Wald hinter seinem Haus fünf Fledermauskästen hat. Dort können Patienten zunächst Unterschlupf finden. Wenn nötig, fährt Maik Korreng mit ihnen zum Tierarzt, in einem ungewöhnlichen Fall sogar bis nach Hannover. Der nun Ausgezeichnete, schätzt sein Wissen und seinen Anteil für Artenschutz und Datensammlung eher klein ein – das sah die Stiftung NaturSchutzFonds offenbar ganz anders. 

Andrea von Fournier

 

Leserkommentare Kommentar Icon (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreiben Sie hier Ihr Kommentar zu dem Beitrag:

Hinweis:
Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet. Alle Felder sind Pflichtfelder.
 

AKTUELLE

Ausgabe 4/2018

Pfeil blue

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe des Naturmagazins
mehr...