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Ausgabe 1/2018

Lebensraum Pferdeweide

Artenvielfalt durch Beweidung

Viele Freizeitreiter wünschen sich eine artgerechte Pferdehaltung mit ausgiebigen Bewegungsanreizen. Sie halten Robustrassen wie Islandpferde, Fjordpferde, Tinker oder Pura Raza Española. Solche Pferde bevorzugen proteinarmes Futter von ungedüngten Weiden oder Heu aus spätem Schnitt. Während die Anzahl der Schäfer in Brandenburg weiterhin rückläufig ist, nimmt die der Pferdehalter immer weiter zu. Könnte also die Beweidung mit Pferden eine Alternative für die Umsetzung naturschutzfachlicher Ziele wie beispielsweise die Erfüllung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sein? Und wie ließe sich auch auf den Weideflächen der privaten Pferdehalter oder in Pensionsbetrieben die Artenvielfalt bewahren oder gar steigern? Welche gemeinsamen Ziele verbinden Naturschützer und Pferdehalter, wenn sich der Wunsch nach biologischer Vielfalt und der nach Tierwohl begegnen? Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Beweidung mit Pferden?

Könnte eine Beweidung mit Freizeitpferden zur Artenvielfalt beitragen? Diese Fragestellung stand im Mittelpunkt eines Workshops, der im Dezember als Kooperation zwischen den Landesverbänden des NABU und des VFD (Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V.) in Potsdam stattfand. Die Idee hierfür wurde im Rahmen des von Laura Klein geleiteten Projektes „Lebenswerte Natura 2000-Gebiete – Umweltsensibilisierung für ein gutes Miteinander von Mensch und Natur“ des NABU Landesverbandes Brandenburg entwickelt.
Impulse für den Workshop lieferte das wissenschaftliche Hintergrundwissen, das Prof. Dr. Antje Stöckmann von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde vermittelte. Ergänzt wurde es durch Beispiele aus der Praxis, wie der Lichterfelder Weidelandschaft oder der Landschaftspflege mit Islandpferden durch den Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz e.V. In den anschließenden Diskussionen zeichneten sich bei der Fragestellung "Freizeitpferde und Artenvielfalt“ sehr schnell Schwerpunktthemen ab: Wie lässt sich durch ein gutes Flächenmanagement Überweidung vermeiden? Wie ist mit Giftpflanzen umzugehen, etwa dem Jakobs-Kreuzkraut oder der Graukresse? Was ist besser – prophylaktische oder selektive Entwurmung? Außerdem wurden Fragen nach bestehenden Fördermöglichkeiten für artenreiches Grünland diskutiert und ob man für deren Inanspruchnahme Landwirt sein müsse. Diskutiert wurde auch, wie sich auch kleinere Pferdeweiden naturschutzfachlich aufwerten ließen.
Nicht von der Hand zu weisen ist, dass mit der steigenden Anzahl an Pferden auch die Probleme mit zu intensiv genutzten Weiden, mit der Ausbreitung von „Weideunkräutern“ oder mit den großen Mengen an Pferdedung zunehmen. Dass all dies zum schlechten Image der Pferdebeweidung beiträgt, darüber waren sich die Workshopteilnehmer einig.
Es zeigte sich, dass die Veranstaltung erst der Beginn eines intensiveren Dialogs zwischen Naturschützern und Pferdehaltern sein kann. Um diesen Austausch zu vertiefen, soll eine Arbeitsgruppe zum Thema „Pferdebeweidung & Naturschutz“ entstehen. Diese könnte weitere Veranstaltungen zu vielen der noch offen Fragen und Themenschwerpunkten organisieren, etwa zu Problempflanzen, Wurmkuren, Fördermöglichkeiten oder Flächenmanagement. Und gleichzeitig soll sie eine Plattform darstellen, um Naturschützer und Pferdehalter zusammen zu bringen. So könnten Kooperationen zur sinnvollen Nutzung von Heu aus Naturschutzflächen oder temporäre Beweidungen naturschutzfachlich wertvoller Flächen in Begleitung bzw. Beratung von Naturschützern vor Ort – etwa durch Gebietsbetreuer – wachsen.
Wer Interesse hat, sich in der AG Pferdebeweidung & Naturschutz zu engagieren bzw. weiterhin informiert werden möchte, kann sich gern melden bei: Ninett Hirsch, E-Mail: hirsch@nabu-brandenburg.de. Weitere Information zum Projekt „Lebenswerte Natura 2000-Gebiete“ unter: https://brandenburg.nabu.de/FFH.

Ninett Hirsch


Weiterführende Literatur:

BUNZEL-DRÜKE et al. (2015): Naturnahe Beweidung und NATURA 2000 – Ganzjahresbeweidung im Management von Lebensraumtypen und Arten im europäischen Schutzgebietssystem NATURA 2000. Heinz Sielmann Stiftung, Duderstadt
BUNZEL-DRÜKE et al. (2008): Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung – „Wilde Weiden“. Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V., Bad Sassendorf-Lohne
VANSELOW (2005): Pferdeweide – Weidelandschaft: Kulturgeschichte, ökologische und tiermedizinische Zusammenhänge. Die neue Brehm Bücherei, Westwarp Wissenschaften-Verlagsgesellschaft mbH, Hohenwarsleben
VANSELOW (2016): Artenvielfalt auf der Pferdeweide: Grünland erkennen – Zeigerpflanzen deuten. Neue Brehm Bücherei kompakt, VerlagsKG Wolf, Magdeburg

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