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Ausgabe 1/2018

Verordnetes Miteinander

Wolfsverordnung muss jetzt in der Praxis überzeugen

„Als erstes Bundesland versucht Brandenburg, mit einer Wolfsverordnung Einzelfallentscheidungen zu auffälligen Wölfen rechtlich und organisatorisch besser abzusichern“, so bewirbt das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg die Anfang 2018 in Kraft tretende Wolfsverordnung. Die Verordnung soll klarstellen, unter welchen Umständen Wölfe vergrämt oder sogar getötet werden können. Der Umgang mit dem Wolf ist ein fortwährender Lernprozess für alle Beteiligten, und so muss nun die Praxistauglichkeit der getroffenen Regelungen unter Beweis gestellt werden.

Für die Beurteilung von auffälligem Wolfsverhalten ist mit Inkrafttreten der Verordnung das Landesumweltamt zuständig. Jede Vergrämung und Entnahme werden dort als Einzelfälle bearbeitet. Anders wäre es auch kaum möglich, lässt sich in einer Verordnung doch nicht abschließend definieren, wann ein für Menschen oder Weidetiere problematisches Verhalten vorliegt oder wie ein solches auf einen bestimmten Wolf zurückgeführt werden kann. Die Verordnung bietet hierfür lediglich einen Rahmen, der aber noch immer viel Handlungsspielraum lässt. Mitarbeiter oder Beauftragte des Landesumweltamtes müssen nun kompetente und nachvollziehbare Entscheidungen über vermeintliche Problemwölfe zeitnah treffen. Diese Aufgabe kann nur mit den entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen geleistet werden und bedarf einer qualifizierten Öffentlichkeitsarbeit. Die Qualität dieser Leistungen wird darüber entscheiden, ob die Verordnung tatsächlich zu einem entspannterem Miteinander zwischen Wölfen, Landbevölkerung und insbesondere den Weidetierhaltern beitragen wird.
Extensive Grünlandpflege ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die Weidetierhalter übernehmen. Mit ihr fördern sie die Artenvielfalt und die Attraktivität der Landschaft für Erholungssuchende. Dies muss entsprechend honoriert werden. Denn klar bleibt auch mit der Verordnung, dass Prävention die Basis für ein konfliktärmeres Zusammenleben von Mensch und Wolf sein muss. Dazu gehört nicht nur der angemessene Schutz von Weidetieren, sondern auch das Bewusstsein der Bürger, Wölfe nicht fahrlässig oder sogar vorsätzlich anzufüttern. Finden Wölfe in Siedlungsnähe Futter und verbinden menschlichen Geruch mit Nahrung, entwickelt sich eher problematisches Verhalten. Dieser Aspekt und eine Ursachenforschung, warum problematisches Verhalten entstanden sein könnte, fehlen allerdings in der Verordnung.

Christiane Schröder
Geschäftsführerin des NABU Brandenburg


Wollen Sie Weidetiere und Wölfe aktiv schützen?

Am 14. und 15. April 2018 bietet der NABU für alle Interessierten einen zweitägigen Workshop an. Gemeinsam mit dem Berufsschäfer Frank Hahnel wird der fachgerechte Aufbau wolfssicherer Fest- und temporärer Stromzäune geübt. Darüber hinaus wird viel Wissen über Wölfe, Weidetierhaltung, Herdenschutzhunde und Grünlandpflege vermittelt.
Weitere Informationen unter: www.brandenburg.nabu.de/Workshop-Herdenschutz oder unter 0331-2015570

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