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Ausgabe 1/2018

Der kostbare Habicht

Eine frühe Darstellung des Habichts findet sich auf dem Rundbild Anbetung der Könige der italienischen Renaissancemaler Fra Angelico (1395–1455) und Fra Filippo Lippi (1406–1469). Maria hält das Jesuskind auf dem Schoß, die Könige knien davor. Auf dem Dach des Stalls sitzt ein Pfau, rechts davon jagt in der Luft ein Habicht einen Fasan. Die übergroßen Vögel wurden wahrscheinlich erst um 1460 von Benozzo Gozzoli (1420–1497) hinzugefügt.

Habichte fangen ihre Beute – Vögel und Kleinsäuger – mitunter in imponierendem Sturzflug. Das Habichtsmännchen auf der Anbetung ist, obgleich stilisiert, durch seinen dunkelgrauen Rücken und die helle Unterseite, sowie durch den dunklen Scheitel und den langen Schwanz gut erkennbar. Ebenso leicht identifizierbar ist der männliche Fasan mit seinem langen, braun gebänderten Schwanz und dem grünen Kopf mit rotem Augenfleck.
Der vom Habicht verfolgte Fasan symbolisiert die verfolgte Seele und ist in Szenen aus dem Leben Christi ein Hinweis auf die Erlösung durch die Passion. Die Symbolik des Fasans geht zurück auf die Beizjagd mit abgerichteten Greifvögeln. Die in Zentralasien seit über 3.000 Jahren bekannte Greifvogeljagd und der Fasan kamen in der Antike nach Südeuropa und haben sich dort schnell verbreitet, da der Fasan wegen seines wohlschmeckenden Fleisches gezüchtet und zur Jagd ausgesetzt wurde. Seit dem 11. Jahrhundert sind Beizjagd und Fasan auch nördlich der Alpen nachweisbar.
Der Habicht war in Mittelalter und Renaissance einer der Hauptvögel der adeligen Falknerjagd und hatte einen hohen Wert. Schon Karl der Große (742–814) erließ Gesetze, die den Diebstahl von Habichten bestraften. König Eduard III. (1327–1377) von England ging sogar so weit, dafür die Todesstrafe einzuführen. Das Ausnehmen von Nestern kostete ein Jahr Gefängnisstrafe.
Berlin hat mit etwa einhundert Brutpaaren weltweit eine der höchsten Siedlungsdichten des Habichts. Er brütet in Wäldern und Parks mit Altbäumen. Besonders im Winter kann man ihn gut bei der Jagd auf Straßentauben beobachten.
Der Habicht ist zwar streng geschützt, aber der Besitz und Verkauf von Habichtfangkörben und Totschlagfallen ist leider noch immer legal. Bei Geflügelzüchtern und Jägern ist der Habicht oft unbeliebt und wird – auch in Brandenburg – illegal verfolgt. Die Strafen für die Täter erscheinen im Vergleich zum Mittelalter heute recht mild.

Iris Fleckenstein-Seifert

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